So ist das eben mit der Systemrelevanz: Die einen, zum Beispiel Möbelhäuser, feiern Öffnungsorgien, die anderen, etwa Theater, sind so sicher verschlossen wie hinter den Mauern von Alcatraz. Sühne statt Bühne, Vakuum statt Publikum, Schließ- statt Lachgesellschaft – so downgelockt war Kunst selbst in Zeiten der Tyrannenherrschaft nicht.

Höchste Zeit, dass sich etwas bewegt. Aber sollte ausgerechnet die coronale Maskenpflicht zum Ausbruch aus der Isolationshaft verhelfen? Warum nicht? Man könnte doch als Erstes Stücke mit maskierten Helden für die Bühnen freigeben. Möglichkeiten gibt es genug: „Das Phantom der Oper“ zum Beispiel würde bestimmt die leeren Musicalsäle füllen – freilich in einer neuen Version, in der das Phantom der armen Christine nicht an die Wäsche geht, denn das ist auch mit Maske unkorrekt.

Starthilfe von Leonardo DiCaprio

Die Kinos könnten zum Wiedereinstieg die Verfilmung von „Zorro“ mit Antonio Banderas oder die Komödie „Die Maske“ mit Jim Carrey vorführen. Und für alle, die’s gern dramatisch mit Mantel und Degen mögen, wäre Leonardo DiCaprio als „Mann mit der eisernen Maske“ genau der Richtige.

Theaterliebhaber würden sich gerade in ihrer Not sogar eine griechische Vierstunden-Tragödie antun – da haben sie fast alle eine Maske auf. Im Prinzip gilt das auch für die Fasnet. Aber bevor jetzt jemand meint, man könne ja eine Prunksitzung von diesem Jahr nachstellen, sollte er sich vorher doch nochmal ans Robert-Koch-Institut wenden. Dann doch lieber Alcatraz! Bitte?! Das ist gar kein Gefängnis mehr, sondern eine museale Touristenattraktion und damit wegen Corona geschlossen? Dann eben Stammheim oder Stadelheim, Hauptsache kein Karneval!