Göppingen / Susann Schönfelder  Uhr
Gut die Hälfte der Vesperkirchen-Zeit ist vorbei. Die Organisatoren ziehen eine positive Zwischenbilanz.

Am Mittwoch gab es in der Vesperkirche Linsen und Spätzle. Erfahrungsgemäß ein Gericht, das besonders viele Menschen lieben. „Wir haben daher vorsorglich 240 Portionen bestellt“, sagt Wolfgang Baumung, Leiter des Hauses Linde, dessen Team verantwortlich für die Leitung, Planung, Organisation, Verwaltung, Technik und Anleitung der ehrenamtlichen Helfer ist. Baumung zieht nach dreieinhalb Wochen Vesperkirche eine positive Zwischenbilanz: „Es läuft ganz routiniert“, sagt er. „Die Stimmung ist gut, die Leute sind dankbar.“ Und ein eingespieltes Team aus rund 70 Ehrenamtlichen sorge für einen reibungslosen Ablauf. „Wir haben Gott sei Dank genügend Mitarbeiter“, ist der Organisator erleichtert. Denn die Grippe habe einige Helfer außer Gefecht gesetzt, „wir müssen immer wieder ein bisschen umstellen, aber es geht“.

Mal 130 Teller, mal 220

Schwerer seien die „extremen Schwankungen“ der Gästezahlen  zu händeln. Es gebe Tage, da werden 220 Essen ausgegeben, an anderen nur 130. „Das ist schwierig zu planen, ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt Baumung. Grund sei das jeweilige Gericht, „die Leute picken sich das schon raus“. Am Sonntag zum Beispiel habe es Rindsrouladen gegeben, da herrschte in der Göppinger Stadtkirche volles Haus. Bleiben an nicht so gut besuchten Tagen Portionen übrig, werden die am Ende verteilt. Manche Besucher haben deshalb vorsorglich Tupperdosen dabei. „Wer gar kein Geld hat, kriegt das Essen umsonst“, sagt der Leiter des Hauses Linde, der Wohnungslosenhilfe im Landkreis Göppingen. Baumung weiß, bei wem die Not am größten ist.

Bei der Eröffnung der Göppinger Vesperkirche dankte Organisator Wolfgang Baumung allen bisherigen – und künftigen – Spendern.

Im Schnitt kommen etwa 180 Gäste täglich, etwa so viele wie in den Vorjahren, berichtet Wolfgang Baumung. Schön sei, dass immer wieder Leute dazukämen, die die Vesperkirche noch nicht kannten. „Manche wussten nicht, dass man auch kommen darf, wenn man nicht arm ist“, sagt der Organisator. Vor allem auch ältere Besucher schätzten das Essen in Gemeinschaft, einfach dass sie nicht allein zu Hause am Tisch sitzen müssen. „Das ist ein schönes und freundliches Miteinander“, beschreibt Baumung die Atmosphäre. Die Vesperkirche sei eine „wichtige und gute Aktion für die Armen und Einsamen in Göppingen“.

Sechs Wochen Vesperkirche kosten 65.000 Euro

Das Essen wird seit vielen Jahren von der Zentralküche der Wilhelmshilfe in Bartenbach bezogen. Die Wilhelmshilfe ist zusammen mit der Stadtkirchengemeinde Oberhofen Partner der Vesperkirche. Die Pfarrerinnen und Pfarrer der Göppinger Gesamtkirchengemeinde geben den Gästen zum guten Essen mit ihren Mittagsgedanken noch etwas Nahrung für die Seele mit.

Wegen des Warnstreiks bei Sihler drohen am heutigen Donnerstag im Raum Geislingen starke Beein­trächtigungen im ÖPNV.

Die Finanzierung der Vesperkirche liegt in der Verantwortung des Vereins Haus Linde. Jährlich werden rund 65 000 Euro benötigt, um diese sechs Wochen in der Stadtkirche zu finanzieren. Bisher sei es jedes Jahr gelungen, diesen Betrag zu 100 Prozent durch Spenden zu begleichen. Auch in diesem Jahr „sieht es gut aus“, ist Wolfgang Baumung optimistisch. „Ich glaube, das Geld wird reichen.“ Das ist die gute Nachricht. Nachdenklich stimmt ihn aber, dass es an anderer Stelle fehlt: „Wir brauchen eben auch Spenden für unsere Arbeit in der Linde.“ Das Geld reiche nicht aus, um die Aufwendungen für Personal- und Sachkosten der alltäglichen Arbeit in der Wohnungslosenhilfe zu finanzieren.

Info Die Vesperkirche in der Stadtkirche Göppingen ist noch bis 17. Februar täglich von 11.30 bis 13.30 Uhr geöffnet. Die Vesperkirche ist auf Unterstützung durch Spenden angewiesen. Spendenkonto: Haus Linde e.V., Konto 587248 bei der Kreissparkasse Göppingen,
IBAN DE 10 6105 0000 0000 5872 48.

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