Göppingen Zweimal im Jahr eine Bananentorte

Kabarettist Nils Heinrich gab Einblicke in ein unbekanntes Land namens »Drüben«.
Kabarettist Nils Heinrich gab Einblicke in ein unbekanntes Land namens »Drüben«. © Foto: STAUFENPRESS
Göppingen / KURT LANG 06.10.2014
Am Tag der deutschen Einheit berichtete der Kabarettist und Buchautor Nils Heinrich bei Odeon im Alten E-Werk über seine Jugendzeit in der ehemaligen DDR. Sein Fazit: „Wir hatten nix – nur Umlaute“. Sein Gastspiel glich zwar mehr einer Autorenlesung als einem Kabarettabend. Das Publikum war dennoch begeistert.

„Ich komme aus einem Land, das früher ‚Drüben' hieß“, erklärt Nils Heinrich. Dies war allerdings schon vor 25 Jahren der Fall, da war er gerade mal 18 – kurz nach dem Mauerfall. Mitgebracht in den Westen hat er nicht gerade viel: „Wir hatten ja nix – nur Umlaute“, beteuert er.

Gelernt hat Nils Heinrich als Konditor, doch seine Brötchen verdient er längst als Autor und Kabarettist. So erfolgreich gar, dass er 2011 den baden-württembergischen Kleinkunstpreis erhielt und noch im selben Jahr mit dem begehrten Salzburger Stier bedacht wurde.

„Wir hatten nix – nur Umlaute“ ist auch der Titel seines im letzten Jahr erschienenen Buches, und Nils Heinrichs Auftritt im Alten E-Werk geriet vornehmlich denn auch eher zur Autorenlesung als zum angekündigten Kabarettabend. Das Publikum hatte dagegen freilich kaum Einwände, erwiesen sich doch die vorgetragenen Geschichten allesamt als höchst heiter, ironisch und skurril. „Falls der Abend langweilig wird, habe ich ein Witzbuch mitgebracht", unterbricht Heinrich die Lesung.

Es ist die DDR-Verfassung, und er zitiert daraus: „Jeder Bürger genießt das Recht, seine Meinung öffentlich und frei zu äußern und darf nicht benachteiligt werden, wenn er davon Gebrauch macht. Auch die Freiheit der Presse ist zu gewährleisten“. Unsere junge Generation, sagt Heinrich, könne die ehemalige DDR geografisch kaum mehr einordnen, sei er doch neulich erst gefragt worden: „Hattet ihr im Osten auch mal Sonne?“. Nicht alles war schlecht im Sozialismus. So waren Weihnachtsgeschenke von großer Dauer, hielt doch das übliche Stück Kernseife viel länger als etwa ein Smartphone.

Nur halt mit dem Dialekt, mit diesen Umlauten, war es so eine Sache. Heinrich ist überzeugt: „Wir hätten 1990, bei der ersten gesamtdeutschen Wahl, die SPD gewählt, wenn sie nicht aus lauter Konsonanten bestehen würde“.

Gerne erinnert sich Nils Heinrich an seine Ausbildung zum Konditor, denn zweimal im Jahr durfte er eine Bananentorte machen: „Immer dann, wenn die DDR-Grenzmarine in der Ostsee einen Bananenfrachter gekapert hatte". In der Schule lernte man russisch und war mit dem Land freundschaftlich verbunden. So weiß Heinrich denn auch genau, weshalb Gérard Depardieu letztes Jahr russischer Staatsbürger geworden ist: „Putin steht auf Typen, die mit Vornamen Gerhard heißen“.

Zwischendurch singt Nils Heinrich Songs zur Gitarre mit eigenen, mitunter fast aberwitzigen, aber auch nachdenklich-scharfzüngigen Texten. Und nach kräftigem Schlussapplaus gab's als Zugabe sogar noch eine viel umjubelte Rapper-Einlage.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel