Göppingen Todesfälle: Patienten hatten Mischinfektionen

Göppingen / Sandra Schröder 19.02.2018
Bei zwei Menschen, die in der Klink am Eichert starben, wurde eine Mischinfektionen multiresistenter Keime nachgewiesen.

Bei einer Pressekonferenz der Alb-Fils-Kliniken hat sich am Montagnachmittag bestätigt, dass bei zwei Todesfällen in der Göppinger Klinik am Eichert bei den Patienten Mischinfektionen multiresistenter Keime nachgewiesen wurden. Nachdem die Infektionszahlen Ende 2017 zunächst sanken, gab es Anfang des Jahres bei sieben Patienten – neben anderen Keimen – wieder Infektionen mit Vancomycin-restitenten Enterokokken (VRE). Das ist ein multiresistentes Darm-Bakterium, das widerstandsfähig gegen das Antibiotikum Vancomycin ist.

Der erste Todesfall ereignete sich nach Angaben der Klinik am Eichert bereits im März vergangenen Jahres: Ein 90-Jähriger litt unter einer schweren Grunderkrankung, einer Herzklappeninfektion und starb schließlich an einer Sepsis (Blutvergiftung). Bei ihm wurden erstmals im August 2016 die sogenannten Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) im Darm festgestellt. Der Patient war bereits in der jüngeren Vergangenheit mehrfach in Kliniken in der Region behandelt worden, so dass bislang unklar ist, wo er sich mit dem VRE-Keim infiziert hatte.

Zu einem zweiten Todesfall kam es im Januar dieses Jahres. Eine Patientin litt seit mehreren Jahren unter einer Karzinomanamnese. Bei einer gynäkologischen Operation im Beckenraum und Oberschenkel wegen einer Entzündung mit massivem Gewebsuntergang, bei dem das obere Muskel- und Bindegewebe massiv geschädigt war, entdeckten Ärzte in der Wunde den VRE-Keim und E. coli. Es gebe zwar keinen medizinischen Nachweis dafür, dass der Keim diese Entzündung verursacht hatte, die Klinikleitung strebte aber eine Aufklärung der finalen Todesursache an.

Deswegen wurden die Behörden informiert und eine externe fachärztliche Beratung eingeholt. Die Klärung der Todesursache laufe noch.

Der Keim an sich ist nicht tödlich

Im Körper des Menschen gibt es ein rund 1,5 Kilogramm schweres Genom an Bakterien und Pilzen. Den VRE-Keim tragen viele Menschen in sich, zu einer Infektion kommt es allerdings nur selten. Eine reine Besiedelung der Keime im Menschen mache noch keine Probleme, erklärte der medizinische Geschäftsführer Dr. Ingo Hüttner nachdrücklich.

Gefährlich werde eine Infektion mit VRE nur für Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, wie beispielsweise während einer Chemotherapie oder Dialyse. Gefahr bestehe auch, wenn der Keim bei großen, offenen chirurgischen Eingriffen, wie zum Beispiel einer Darm-OP, in den Bauchraum oder die Wunde gelangt. Der Keim könne dann Wundinfektionen, Harnwegsinfekte oder eine Blutvergiftung verursachen, erklärte Privatdozent Dr. Martin Bommer, Chefarzt für Hämatologie, Onkologie und Infektionskrankheiten.

Da die Keime gegen das Antibiotikum Vancomycin resistent sind, können sie nicht aus dem Darm entfernt werden. Es gebe aber noch drei Ersatz-Antibiotika, die bei einer VRE-Infektion im akuten Fall gegeben werden können, so der Mediziner.

Die Darmkeime können nach dem Kontakt mit Kot, etwa nach dem Toilettengang, über die Hände verbreitet werden und überleben dann an Gegenständen wie Türklinken, oder auf Oberflächen, die berührt werden. Im Krankenhaus könne das zum Beispiel der Nachttisch sein. Die Handhygiene sei daher die wichtigste Form, um eine Übertragung auf einen anderen Menschen zu verhindern.

VRE-Untersuchungen in der Klinik

Seit 2015 wurden in der Klinik am Eichert 46.000 Untersuchungen auf VRE vorgenommen. Davon waren 1898 Patienten VRE-positiv, das heißt sie trugen den Keim. Das entspricht 8,2 Prozent.

Von Januar 2016 bis heute gab es in der Klinik am Eichert 47 Infektionen bei gescreenten Patienten.

Derzeit sind unter den 628 Patienten der Klinik 33 VRE-positive. Es gebe aber aktuell keine Infektion.

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