Todesfälle Zwei Tote in der Klinik am Eichert

In der Klinik am Eichert hat es in der Nacht zu Mittwoch zwei Todesfälle gegeben: Nach bisherigem Stand der Dinge hat eine Krankenschwester Infusionen verwechselt.
In der Klinik am Eichert hat es in der Nacht zu Mittwoch zwei Todesfälle gegeben: Nach bisherigem Stand der Dinge hat eine Krankenschwester Infusionen verwechselt. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Dirk Hülser 19.09.2018
In der Nacht zu Mittwoch sind zwei Patienten in der Klinik am Eichert gestorben, nachdem ihnen falsche Infusionslösungen verabreicht worden waren.

Nach Informationen unserer Zeitung wurde ihnen Betäubungsmittel statt Kochsalzlösung verabreicht. Bei den Todesopfern handelt es sich um eine 62-Jährige, die wegen eines Bandscheibenvorfalls behandelt wurde, sowie um einen 78-Jährigen, der auf derselben Normalstation lag.

Insgesamt wurden sieben Patienten mit für sie nicht geeigneten Infusionen behandelt, gab die Klinik bekannt, nachdem unsere Zeitung von Klinik-Patienten und Angehörigen der Verstorbenen über die mutmaßlichen Behandlungsfehler informiert worden war und bei der Klinik nachgefragt hatte. Vier Patienten, die ebenfalls das Betäubungsmittel verabreicht bekommen hatten, werden auf der Intensivstation und in der Zentralen Notaufnahme am Monitor überwacht und sind nach Auskunft der Klinik-Pressestelle „nach aktuellem Stand stabil“. Bei einem weiteren Patienten sei noch unklar, ob er ebenfalls eine entsprechende Infusionstherapie erhalten hat. Er werde ebenfalls monitorüberwacht und sei stabil.

Krankenschwester steht unter Schock

„Die Angehörigen und betroffenen Mitarbeiter werden durch Notfallseelsorger betreut“, heißt es in der Mitteilung der landkreiseigenen Alb-Fils-Kliniken, zu denen die Klinik am Eichert gehört. Dies bestätigte ein Angehöriger. Bereits am Nachmittag hatte er berichtet, wie ein Oberarzt die betroffenen Familien morgens informiert und den Fehler ohne Umschweife eingeräumt habe. Auch die Klinik schreibt: „Sofort nach Bekanntwerden dieses Zwischenfalls wurden von der Geschäftsführung des Klinikums die Behörden und die Angehörigen informiert.“ Die Krankenschwester, die auf der Station Nachtdienst hatte,  stehe unter Schock und sei nicht ansprechbar, sagte der Angehörige. Bei ihr soll es sich um eine erfahrene Pflegekraft handeln, die seit vielen Jahren in der Klinik arbeitet. Er nahm die Frau aber in Schutz: „Das kann man ihr sicher nicht vorwerfen, da ist ein Fehler im System.“

Die Kriminalpolizei ermittelte vor Ort, denn „der genaue Ablauf und eventuelle Todesursachen stehen noch nicht fest“, sagte Klinik-Pressesprecherin Britta Käppeler. Polizeisprecher Wolfgang Jürgens teilte am Abend mit: „Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln jetzt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. Die Ermittlungen richten sich derzeit gegen eine Beschäftigte der Klinik.“

In der Pressemitteilung der Klinik heißt es zudem: „Wir sind zutiefst bestürzt über diesen Vorfall und unterstützen die Ermittlungen der Behörden in vollem Umfang.“ Heute Vormittag um 11 Uhr soll die Öffentlichkeit bei einer Pressekonferenz über weitere Details informiert werden.

Die Alb-Fils-Kliniken sorgten in diesem Jahr bereits mehrfach für Schlagzeilen wegen multiresistenter VRE-Keime. Im vergangenen Jahr war ein Patient, der diverse Vorerkrankungen hatte, an einem solchen Krankenhauskeim gestorben. In einem zweiten Fall wird noch ermittelt, ob es einen Zusammenhang zwischen Keimen und dem Tod einer Frau gibt.

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