Göppingen Zuschauer konnten Filme nicht sehen

Rudy möchte unbedingt einmal Pilot werden.
Rudy möchte unbedingt einmal Pilot werden. © Foto: Giacinto Carlucci
KURT LANG 21.11.2015
Nicht jeder Besucher erfasste die Handlungsabläufe: Das Junge Theater Lörrach konnte mit "Sturm aus heiterem Himmel" nur bedingt überzeugen.

Nicht heiter war der Himmel an diesem Vormittag über Göppingen. Es regnete in Strömen, und wer nicht dem Wetter entsprechend ausgestattet war, hatte schlechte Karten: Er oder sie musste lange ungeschützt vor dem E-Werk-Eingang ausharren, wurde doch erst unmittelbar vor Aufführungsbeginn Einlass gewährt. Doch bevor es losging, übte Uwe Wittmann von der Theatertage-Fachleitung mit dem meist jugendlichen Publikum erst noch einen stürmischen Schlussapplaus ein.

Nicolas Turons im Rahmen der Göppinger Theatertage gezeigtes Stück "Sturm aus heiterem Himmel" - Turon führt neben Birgit Vaith auch die Regie - erzählt vom Alltag des Mädchens Ruby. Da sie das kleine b verkehrt herum schreibt, wird sie jedoch Rudy gerufen. "Alle glauben, ich sei ein Junge. Ich finde das besser so", sagt sie, denn sie möchte unbedingt einmal Pilot werden, um so die Mutter im Himmel besuchen zu können. Eine große Holzkiste mitten auf der Bühne ist das einzige Requisit. Mal dient sie als Schlafzimmer, mal als Klo, mal als Flugzeugkanzel.

Eine kritische Bewertung der Aufführung ist jedoch kaum möglich, da die Worte der Darstellerin nicht immer verständlich bis zu dem von einem Mitglied des Lörracher Theaters zugewiesenen Presseplatz drangen. Hinzu kommt, dass die an die seitliche, zur Straße hin gelegenen Wand des E-Werks projizierten Filmeinspielungen, die wohl insbesondere für die Schlussszene bedeutsam waren, nicht einsehbar waren - und dies nicht nur vom Presseplatz, sondern auch von den meisten anderen Plätzen aus.

Da zudem für viele Besucher das Geschehen auf der E-Werk-Bühne erst ab einer gewissen Bodenhöhe erkennbar ist, fragt man sich, weshalb die Handlung nicht ebenerdig, in den Zuschauersaal, verlegt und die Filme auf einer Bühnenleinwand gezeigt wurden. Ein Ärgernis, auch wenn das junge Theaterpublikum von dem zu Beginn einstudierten Schlussapplaus kräftig Gebrauch zu machen verstand.