Sein Riesenauge überwachte 2015 die Passanten der Reeperbahn, er betätigte sich künstlerisch höchst ergötzlich als bekennender Wildpinkler und ließ einen fiktiven Villenbesitzer „Eure Armut kotzt mich an“ plakatieren. Keine Frage: Dem Hamburger  Tankred Tabbert sitzt der Schalk im Nacken.

Vom 20. bis 23. Oktober zeigt der als Thomas Tabbert in Eislingen aufgewachsene Künstler bei der Künstlergruppe Spektrum in Jebenhausen neuere Arbeiten, darunter erstmals ein Video zum 11. September und als Objekt einen Mülleimer zur Entsorgung von Gefühlen, „die man loswerden will“. Stocksteif wird es bei Spektrum nicht zugehen. Tabbert: „Die Atelier-Räume haben Lounge-Charakter.“ Rudolf Bender, sein ehemaliger Kunstlehrer und bis heute Vorbild als Künstler, hat ihm die Einzelausstellung ermöglicht. Zur Eröffnung heute, 19 Uhr, spricht Andreas Bressmer.

Morgen dann ab 19 Uhr hält Tabbert einen Vortrag „Fotografie der Gegenwart“ im Göppinger VHS-Haus. Dort stellt er bedeutende Künstlerpositionen vor, etwa von Nan Goldin, Ottmar Hörl, Cindy Sherman oder Richard Wentworth. Tabbert: „Die Arbeiten können kritisch unsere Gegenwart hinterfragen, mitunter schok­kieren und immer wieder  menschlich tief berühren.“

Den dreitägigen Kunst-Triathlon komplettiert eine Lesung: Am Samstag rezitiert Tabbert Passagen von Charles Bukowski. Beginn ist wieder um 19 Uhr im Rahmen der Ausstellung bei Spektrum.

Überhaupt läuft es für Tabbert derzeit rund: Im Frühjahr hat es sein umstrittenes Projekt „Hurenherzen“ nochmals bundesweit in die Presse geschafft, darunter auch bei „Zeit“ und „art“. Christian Jankowski, Kunstprofessor in Stuttgart, gehört zu seinen Unterstützern und lud ihn als Kurator zur Manifesta 11 nach Zürich. „Jetzt fehlt nur noch die Biennale in Venedig“, meint Tabbert – mit gehörigem Augenzwinkern. maz

Info Thomas Tabbert (47), aufgewachsen in Eislingen, arbeitete in den 90ern als Kunstkritiker unter anderem für die NWZ. Nach Studium und Promotion in Stuttgart zog er 2003 nach Hamburg.