Vorfreude und dezente Panik vermischen sich beim Blick in den Terminkalender. „Einstein“ lautet der Eintrag für Sonntag, 29. September. Gemeinsam mit etwa 120 Teilnehmern des Programms „Lauf geht’s“ möchte ich einen Halbmarathon laufen. 21,0975 Kilometer. Am Stück.

In den vergangenen Monaten lernten wir bei 34 Grad und drohendem Gewitter die Laufschuhe genauso zu schnüren wie bei strömendem Regen. Unzählige Stunden verbrachten wir, unterteilt in drei Leistungsgruppen und auf zwei Lauftreff-Tage, auf Waldwegen, Schotter und hauptsächlich Asphalt. Seit Ende März führten die Trainer uns an das lange Joggen heran, ohne Überforderung und immer mit guten Gesprächen.

Nicht immer läuft alles „easy“

120 Minuten auf dem Trainingsplan für Freitagabend? Halten wir durch. Jede kürzere Einheit nehmen wir danach mit Freude an. Am Mittwoch schicke ich eine Whatsapp-Nachricht an Mitläuferin Caro: „Diese Woche nur 90 Minuten“. Sie: „Na das wird easy.“

Ganz so easy war das Training nicht immer. Ein eingeklemmter Nerv machte mir ab Ende Juni zu schaffen. Drei Wochen Zwangspause. Dann fand ich allmählich und ganz gemächlich ins Training zurück. Zunächst ohne die Gruppe, die Bewegungen durften nicht unkontrolliert werden, sonst meckerte der Nerv gleich wieder.

Die Meilensteinkontrolle über zehn Kilometer beim Rechberghäuser Sommernachtslauf Ende Juni lief trotz der körperlichen Einschränkungen ganz gut. Meinen Wunsch, in weniger als 60 Minuten im Ziel anzukommen, konnte ich mir erfüllen. Trainer Denis gab das Tempo vor. Die ersten Kilometer half er mir, den richtigen Rhythmus zu finden, dann machte ich mein eigenes Ding und ließ mich etwas zurückfallen. Dank einem Schlusssprint schaffte ich den Lauf in 59 Minuten und ein paar Sekunden.

Trainer Armin: „Heute wird’s hässlich“

Die folgenden Freitage feilten wir an unserer Ausdauer, mit Erfolg. Wanderung? Radausflug? Ein Kinderspiel. Ende August standen wir auf einem Rasenplatz beim Süßener Tennisclub. Trainer Armin: „Heute wird’s hässlich.“ Verzweifelt schaute ich mich nach einer alternativen Gruppe um, doch fast alle hatten den Platz vor uns verlassen.

Armin sollte Recht behalten. Lockeres Einlaufen für 20 Minuten. Lauf-Abc auf der Radtrasse durch Donzdorf. Anschließend Intervall-Training in Richtung Nenningen. Zwei Mal 30 Sekunden und ein Mal 60 Sekunden so richtig Gas geben. Dazwischen und danach Pausen – und das Spiel von vorne. Die Gruppe sprang mir davon, wie aufgescheuchte Rehe beim ersten Knacksen im Unterholz … für mich gab’s Rückenansichten und schwere Beine. Das altbekannte Spiel.

Fühle ich mich bereit?

Ob ich bereit bin für diesen großen Schritt? Für die vielen einzelnen Schritte, die mich von der Ulmer Messe durch Neu-Ulm und wieder zurück auf den Ulmer Münsterplatz führen? Sicher bin ich mir dabei nicht. Zweifel tauchen immer wieder am Horizont auf, verschwinden meist aber auch so schnell, wie sie kommen. Klar ist: Wir gewannen in den vergangenen Wochen mehr als Ausdauer und Muskelkraft. Mentale Stärke wird uns unserem Traum näher bringen.

Beim letzten Seminar vor dem großen Tag erklärt Lauf-geht’s-Gründer Wolfgang Grandjean, wie wir uns optimal vorbereiten und welche Phasen wir beim Halbmarathon durchmachen. Auch den berüchtigten „Mann mit dem Hammer“ – der plötzliche Leistungseinbruch infolge Kohlenhydratmangels –, der uns einholen kann, thematisiert er. Vor ihm fürchte ich mich nicht. Mit den Trainern an meiner Seite nehme ich meine seit langem wohl größte Herausforderung voller Zuversicht an.

Wöchentlicher Lauftreff und Ernährungstipps


Das Programm „Lauf geht’s“ richtet sich an Anfänger und Läufer. In sechs Monaten werden sie fit für den Halbmarathon. Der zweite Jahrgang steht nun schon kurz vor seinem Ziel. Am 29. September zeigen die Läufer beim Einstein-Lauf in Ulm, was sie können. Im kommenden Jahr soll das Programm, das den wöchentlichen Lauftreff, einen Trainingsplan und ein Ernährungskonzept umfasst, wieder angeboten werden. Weitere Infos zum Programm gibt’s online auf www.laufgehts-gp.de.