Göppingen Zoo-Gegner zeigen Krallen

Kinder streicheln friedlich die Bewohner des Tierparks. Doch hinter den Kulissen wird weniger zimperlich um die Einrichtung gekämpft. Foto: Staufenpress
Kinder streicheln friedlich die Bewohner des Tierparks. Doch hinter den Kulissen wird weniger zimperlich um die Einrichtung gekämpft. Foto: Staufenpress
Göppingen / ARND WOLETZ 23.02.2012
Der Streit um die Zukunft des Göppinger Tierparks wird mit harten Bandagen ausgetragen. Eine Nachbarin hat auf den Konfliktlösungs-Versuch der Stadt mit einer Fülle von Einwänden reagiert. Ihr Anwalt ist im Rathaus ein alter Bekannter.

Die Stadt hat mit ihrem Vorstoß, die Zukunft des Göppinger Tierparks abzusichern, weiteren Gegenwind bekommen. Die Strategie der Stadt: Ein Bebauungsplan soll den rechtlichen Schwebezustand des seit Jahrzehnten in einer Bauverbotszone liegenden Tierparks beenden. Im Gegenzug muss der Mini-Zoo einige Auflagen erfüllen. Tiere sollen abgegeben, die Anlage an die Erfordernisse des Tierschutzes angepasst werden. Das Verfahren läuft.

Doch nun ist im Rathaus, bei den Stadträten, beim Landratsamt und beim Regierungspräsidium ein "Einwände-Paket" einer Anwohnerin eingegangen. Verfasst hat es der Stuttgarter Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Dr. Jürgen Fritz. Dessen Name dürfte im Göppinger Rathaus die Alarmglocken schrillen lassen. Fritz vertrat auch den Göppinger Physiotherapeuten Thomas Hummel, gegen den die Verwaltung erst im Herbst in einer Grundstücksangelegenheit den Kürzeren gezogen hatte. Die Kontrahenten stritten damals um das Areal an der Blumenstraße. Nach langem Hin und Her lenkte die Kommune ein.

So weit ist es im Fall des Göppinger Tierparks noch nicht. Allerdings hat Fritz eine geharnischte Stellungnahme zum Bebauungsplanverfahren aufgesetzt. Auf sechs Seiten wird dargelegt, warum die Nachbarin dem Tierpark das Existenzrecht an der Schickhardtstraße abspricht. Eines der Hauptargumente: Die Häuser der Nachbarschaft seien in den 60-er und 70-er Jahren erbaut worden, als der Tierpark noch viel kleiner war und keine Belästigung darstellte. Die Anwohner hätten darauf vertraut, dass die Stadt das damals bereits bestehende Bauverbot auf dem Tierparkgelände durchsetzt. Statt dessen habe es die Verwaltung immer wieder geduldet, dass die Anlage auf städtischem Boden ohne Genehmigung erweitert wurde. Der Zoo sei also als der Störfaktor für die Wohnbebauung anzusehen - nicht umgekehrt. Die vorgeschriebenen 100 Meter Abstand lassen sich nicht einhalten.

Baubürgermeister Olav Brinker lässt die Bedenken der Anwohner zwar gelten. Er versteht aber nicht, warum sie sich einem Kompromiss verweigern. Der Stadt gehe es schließlich darum, einen seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt um Lärm- und Geruchbelästigung zu beenden. Viel Vorarbeit sei bereits geleistet worden - in Form von Gutachten und der Zoogenehmigung. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass man sich gegen die Konfliktbewältigung wendet", sagt der Baubürgermeister. Das komme auch bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung nicht gut an, vermutet er. Juristisch sieht er aber zunächst keine Gefahr. Eine Normenkontrollklage sei nur gegen den Satzungsbeschluss möglich - und der wird noch dauern.

Man müsse sich an der heutigen Realität orientieren, statt die Versäumnisse der Vergangenheit aufzulisten, findet Brinker. Die von der Gegenseite immer wieder vorgeschlagene Verlegung des Tierparks sei jedenfalls keine Option: Sie sei weder für den Tierpark noch für die Stadt finanzierbar, denn sie würde Millionen kosten.

Das sieht Heiko Eger, Chef des Trägervereins des kleinen Zoos, ganz ähnlich. Ihn ärgert vor allem, dass der Tierpark seit Jahren an der Umsetzung von Auflagen arbeite, die Nachbarn aber immer neue Forderungen stellen. Die Betreiber der beliebten Freizeiteinrichtung seien in der Zwickmühle. Einerseits seien sie gefordert zu investieren. Andererseit stehe der Tierpark nach wie vor auf der Kippe, seit im Bebauungsplanverfahren immer wieder Sand ins Getriebe gestreut wird.