Kreis Göppingen Zensus-Stelle hat ausgedient

Das waren die Organisatoren in Geislingen (von links): Rolf Strung, Manfred Neuwirth und Joachim Rauch. Foto: Archiv
Das waren die Organisatoren in Geislingen (von links): Rolf Strung, Manfred Neuwirth und Joachim Rauch. Foto: Archiv
Kreis Göppingen / MANFRED BOMM 11.08.2012
Nur so viel scheint bereits klar zu sein: Manche Kommune hat weniger Einwohner als gedacht. Doch bis das endgültige Ergebnis der Volkszählung vorliegt, sind die Daten schon wieder zwei Jahre alt.

Alles, was im Rahmen der großen Volkszählung erhoben wurde, bezieht sich auf den Stichtag 9. Mai 2011. Jetzt, weit mehr als ein Jahr später, ist die aufwendige Aktion beendet. Auch im Staatlichen Vermessungsamt, das für die Landkreis-weite Erhebung zuständig (ohne Stadt Göppingen) war, wurden vor Kurzem die Akten geschlossen und die Mitarbeiter wieder ihrer eigentlichen Arbeit zugeordnet. "Es hat viele Karteileichen gegeben", resümiert Joachim Rauch, der die zentrale Erhebungsstelle leitete. Deutschland werde den jüngsten Daten zufolge vermutlich bis zu 1,5 Millionen Einwohner weniger haben als bisher angenommen. Das endgültige Ergebnis, das ursprünglich für November erwartet wurde, dürfte allerdings erst im Mai nächsten Jahres vorliegen - also zwei Jahre nach dem Stichtag.

Nach dem heutigen Zeitplan, so betont Rauch, würden nur die amtlichen Einwohnerzahlen und einige vorläufige weitere Ergebnisse bereits ein halbes Jahr früher, nämlich am 9. November bekannt gegeben.

Die Verzögerungen hätten sich durch "Nachbefragungen" ergeben, wie sie bundesweit erforderlich gewesen seien. Im Kreis Göppingen (ohne die separat erfasste Stadt Göppingen) mussten von den 26 000 Personen, die unter die stichprobenartige Erhebung fielen, mehr als 3000 noch einmal befragt werden. Ihre Angaben hatten Ungereimtheiten erbracht, erläutert Rauch. Außerdem galt es, rund 2000 Gebäude zu begutachten, deren Eigentümer entweder keine oder nur unzureichende Beschreibungen abgegeben hatten - also zu Baujahr, Art und Größe. Bei einigen Objekten, die noch amtlich registriert gewesen waren, stellte sich heraus, dass sie nicht mehr bewohnt werden oder schon abgerissen sind.

Voriges Jahr, als die Volkszählung lief, waren zeitweilig rund 300 ehrenamtliche Interviewer unterwegs gewesen - wobei der Begriff "Volkszählung" vermieden wurde. Dieser ist seit der letzten Zählung Mitte der 80er Jahre negativ besetzt. Damals war angesichts neuer elektronischer Speichermöglichkeiten die Angst vor dem Überwachungsstaat umgegangen. "Zensus 2011", wie die Aktion jetzt genannt wurde, war auch keine Zählung im herkömmlichen Sinne. Das personenbezogene Ergebnis wird mithilfe statistischer Hochrechnungen ermittelt. Dies bedeutet, dass nur ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung mit einem Fragebogen konfrontiert wurde. Alles Weitere funktioniert dann wie die Hochrechnungen bei Wahlen, aus denen sich bereits kurz nach Schließung der Wahllokale verlässliche Ergebnisse ableiten lassen. Die Akzeptanz der Zählung war relativ groß. Im Landkreis Göppingen mussten nur 15 Bürger, die sich geweigert hatten, Angaben zu machen, mit einem Zwangsgeld von 300 Euro belegt werden. Zwei davon haben die Buße bezahlt, aber dann trotzdem keine Daten genannt - obwohl weitaus höhere Beträge drohten. Derzeit, so erläutert Rauch, werde das Personal in den Behörden im Umgang mit den Daten geschult. Ein geringer Teil der Zahlen, der natürlich keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen oder Objekte zulässt, werde öffentlich zugänglich gemacht - wie etwa der Altersdurchschnitt der Bevölkerung oder die Einwohnerzahl von Gemeinden.

Die Melderegister der Kommunen profitieren im Übrigen vom Zensus und der Nacherhebung nicht: Aus Datenschutzgründen dürfen aufgedeckte Fehler nicht an die Rathäuser zurückgemeldet werden.

Rückblickend ist Rauch überrascht, wie freundlich die Interviewer im vergangenen Jahr bei ihren Hausbesuchen empfangen wurden.

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