Leitartikel Arnd Woletz zum Vorstoß für einen Göppinger Mietspiegel Zeit für klaren Rahmen

Göppingen / Arnd Woletz 08.09.2018

Man möchte sich manchmal verwundert die Augen reiben, wenn man die Immobilienportale im Internet nach Mietwohnungen in Göppingen und Umgebung durchsieht – oder im Immobilienteil der Zeitung blättert. Zehn Euro Kaltmiete pro Quadratmeter werden dort mittlerweile selbst für gebrauchte Standard-Unterkünfte mittlerer Größe in der Göppinger Nordstadt aufgerufen. In begehrten Lagen gehen die Preisvorstellungen teilweise noch erheblich höher.

Solche Preise werden sicher  auch teilweise bezahlt. Doch zunächst stecken dahinter nur die Wünsche der Immobilienbesitzer. Um abschätzen zu können, welche Summen tatsächlich vereinbart werden, sind Mietspiegel nützlich. Und da herrscht im Kreis Göppingen sowie in seiner Kreisstadt noch Fehlanzeige. Man muss schon seit vielen Jahren die Tabellen des Schorndorfer Mietspiegels durchstöbern, der als Ersatz dient. Tatsächlich aber keimen Zweifel an der Vergleichbarkeit der Städte.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Eine Garantie für stabile oder sinkende Preise ist ein Mietspiegel nicht. Da hülfe nur eine massive Neubautätigkeit. Aber eine nützliche Orientierungshilfe ist das allemal – und im Zweifel auch vor Gericht stichfest.

Wenn die Chance besteht, dass ein Mietspiegel aufzeigt, wo die Schmerzgrenze liegt, ist schon etwas erreicht, auch im Interesse des Steuerzahlers. Denn in Einzelfällen verlieren Immobilienbesitzer offenbar jedes Maß, vor allem wenn die Klientel sich am Immobilienmarkt schwer tut und der Staat die Miete übernimmt. Glaubt man den Aussagen von Integrationsmanagern und Fachleuten, dann werden beispielsweise für die Anschlussunterbringung von Asylbewerbern teilweise Mondpreise verlangt, und vom Jobcenter auch beglichen.

Es wird also Zeit, dass die Stadt, der Mieterbund, die Eigentümer-Vertreter sowie die Wohnbau sich an einen Tisch setzen. Gut, dass die FDP/FW in Göppingen die öffentliche Debatte darüber eröffnet hat.

Viele Gegenargumente sind  nicht in Sicht. Die Kosten können es kaum sein, denn die sind im Vergleich zu anderen Projekten sehr überschaubar. Die Entscheidung sollte auch deshalb leicht fallen, weil derzeit ansehnliche Zuschüsse fließen, wenn Kreiskommunen sich zusammen tun. Der Göppinger Vorstoß muss also auch ein Weckruf für die Nachbarkommunen sein, sich ebenfalls Gedanken zu machen.

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