Jedes Jahr verenden mehr als eine Million Vögel und 100 000 Meeressäugetiere qualvoll an Plastikteilen, die in den Meeren treiben, lautet die Bilanz des Vereins Deutsche Umwelthilfe. Wenn derzeit geborene Kinder ihre Familien gründen, werden in den Weltmeeren mehr Plastikteile schwimmen als Fische, so die Prognose der Umweltschützer. Obgleich jedes Kind wisse, dass Plastik der Umwelt, und damit uns selbst, schade, würden in der Bundesrepublik jährlich 17 Milliarden Einwegplastikflaschen und 3,7 Milliarden Plastiktüten verbraucht.

320 000 Coffee-to-go-Einwegbecher gehen hierzulande pro Stunde, so die Deutsche Umwelthilfe, über die Theken, im Jahr seien das fast drei Milliarden. Allein für deren Herstellung würden zehntausende Tonnen Holz und Kunststoffe sowie Milliarden Liter Trinkwasser benötigt. Für die Produktion sei jährlich eine Energiemenge nötig, mit der man eine Kleinstadt versorgen könnte – genutzt werde so ein Becher durchschnittlich 15 Minuten. Dann fliege er in den Müll.

Lebensstil ruiniert Erde

Die bundesweiten Verbrauchswerte allein seien kaum vorstellbar, die weltweit erhobenen Zahlen sind schlicht unfassbar. Dabei sind Becher, Flaschen und Tüten nur eine Winzigkeit an der Spitze unserer gigantischen Plastikmüllberge. „Unsere modernen, auf immer mehr individuellen Konsum ausgerichteten Lebensstile ruinieren unsere Erde“, schrieb Dr. Wolfgang Rapp, Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu), schon vor zwei Jahren in einem Rundschreiben. Bei der Feststellung dieser dramatischen Entwicklung wollte man es nicht belassen, Nabu und das Göppinger City-Marketing verbündeten sich für das Projekt „Göppinger Initiative gegen Plastikmüll“. Der EU-Richtlinie folgend, die fordert, dass bis Mitte 2018 mindestens 80 Prozent der Kunststofftüten im Einzelhandel kostenpflichtig sein sollen, verpflichteten sich bislang 17 Göppinger Einzelhändler, keine Einweg-Tragetaschen mehr gratis auszugeben.

Jede Tüte kostet die Kundschaft nun im Schnitt 20 Cent. „Dies sind keine zusätzlichen Einnahmen“, erklärt Christina Geyer, Projektmanagerin des City-Marketing. Das „Tütengeld“ kommt in die aufgestellten grünen Sparschweine. „Die Einnahmen werden in regelmäßigen Abständen einem regionalen Projekt des Nabu Göppingen gespendet. Im ersten Halbjahr konnten rund 1500 Euro für die Pflanzung neuer Streuobstbäume übergeben werden.“

Christina Geyer berichtet von guten Erfahrungen der beteiligten Händler und freut sich auf noch mehr Mitmacher. „Jeder Händler kann jederzeit einsteigen.“ Die meisten Einkaufenden zeigten Verständnis und würden oft sogar extra was ins grüne Schweinchen stecken. Den Nabu freut‘s, doch mit Wolfgang Rapp vorneweg, werden die Natur- und Umweltschützer nicht müde, sich gegen die herrschende Wegwerf-Kultur zu engagieren. „Wir müssen unser Einkaufsverhalten ändern und Einwegplastik vermeiden.“ Beispielsweise über das Mehrwegsystem für alle Flaschen und selbstverständlich auch für to-go-Becher. „Viele Kaffee-Verkäufer füllen das Heißgetränk gerne in mitgebrachte Tassen ab“, weiß Wolfgang Rapp und ergänzt, dass man beim Einkauf Produkte ohne oder mit wenig Verpackung auswählen könne. Und: „Eine Stofftasche ersetzt mindestens 1000 Plastiktüten.“

Der Bogen müsse vom Ärger über achtlos weggeworfene Behältnisse bis zum bewussten Konsum und effektiven Kunststoff-Recycling gespannt werden. „Unsere Umwelt braucht unser Engagement“, unterstreicht Wolfgang Rapp.

320


Tausend Coffee-to-go-Becher gehen hierzulande laut der Deutschen Umwelthilfe pro Stunde über die Theken. Im Jahr sind das fast drei Milliarden Stück.