Vortrag Zauber galten als Grund für Wetterkapriolen

Jürgen-Michael Schmidt sprach über Hexen.
Jürgen-Michael Schmidt sprach über Hexen. © Foto: Margit Haas
Göppingen / Margit Haas 14.06.2018

Mindestens 63, vielleicht sogar 100 Frauen wurden zur Mitte des 16. Jahrhunderts in der Herrschaft Wiesensteig als Hexen hingerichtet. „Im Dezember 1562 waren es 20 Frauen an einem Tag. Rund 3000 Menschen waren als Zuschauer gekommen“, berichtet Dr. Jürgen-Michael Schmidt von der Universität Stuttgart am Dienstag einem schockierten Publikum.

Der Historiker und ausgewiesene Experte der Hexenverfolgung und der frühneuzeitlichen Sozialforschung hatte auf Einladung des Geschichts- und Altertumsvereines den Zusammenhang von Klimaverschlechterungen und den damit meist einhergehenden Hungerkrisen und der Hexenverfolgung aufgezeigt. Zu mindestens zwei Dritteln waren es Frauen, die verfolgt wurden, die unter der Folter alles zugaben, was man ihnen in den Mund legte und ihre weiteren „Buhlerinnen“ nannten – was zu regelrechten Verfolgungswellen führte. Gerade der Fürstprobst Johann Christian von Westerstetten in Ellwangen und Graf Ulrich XVII. von Helfenstein in seiner Herrschaft Wiesensteig erlangten dabei traurige Berühmtheit. In Württemberg wurde dagegen nach dem Reformator Johannes Brenz die Ansicht vertreten, Unwetter seien die Strafe Gottes für sein verlottertes Volk und nicht durch menschlichen Schadenzauber entstanden. Auch die Habsburger waren Gegner der Verfolgung. Mancherorts war es aber gerade nicht die Obrigkeit, von der die Initiative zur Verfolgung wegen Hexerei und Schadenzauber ausging, sondern vom Volk selbst. Dabei dürfte manch offene Rechnung beglichen worden sein.

Schwerpunkt der Verfolgungen war in jedem Fall der Süden Deutschlands. „Zwischen 1560 und 1570 explodierten die Verfolgungen regelrecht“, so der Referent. Durch eine kleine Eiszeit kam es zur Verschlechterung des Klimas. Einzelne Unwetter wie ein verheerender Hagelsturm am 3. August 1562 taten ihr Übriges und führten zu Ernährungskrisen. Zuvor war es zudem zu einem starken Bevölkerungswachstum gekommen. „Nahrungsmittel wurden um bis zu 80 Prozent teurer“. Die klimatischen Veränderungen „brauchten eine Erklärung“. Der „Hexenzauber“ lieferte sie.

Es entwickelte sich durch die Hexenverfolgung eine „Prozessindustrie, an der viele verdienten“. Neben Fanatismus könnte dies ein weiterer Grund für die Prozesslawine gewesen sein. Die Verurteilungen, die naturgemäß nicht auf der Grundlage von Indizien erfolgen konnten, beriefen sich auf die Geständnisse der Beschuldigten. Der Jesuit Friedrich Spee sprach von „Unrechtsprozessen“ und betonte, unter der Folter würde auch er alles ­zugeben, was ihm vorgeworfen ­würde.

Am Montag geht’s ums „Weiße Gold“ der Alb

Vortrag Am kommenden Montag (19.30 Uhr) wird Dr. Anton Hegele im VHS-Haus über „Das Weiße Gold der Alb“, den Kalkstein als wichtigen Rohstoff, referieren.

Festakt Am 30. Juni (19 Uhr) lädt die Gesellschaft für staufische Geschichte zu einem Festakt anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens in die Stiftskirche Faurndau ein. Professor Dr. Thomas Buch von der PH Freiburg betrachtet dann „Das Mittelalter zwischen Vorstellung und Wirklichkeit“.

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