Lesung Zaimoglu liest aus seinem Luther-Roman

SWP 05.10.2017

Feridun Zaimoglu, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller türkischer Herkunft, hat sich für seinen neuen Roman Evangelio einen urdeutschen Helden ausgesucht: Martin Luther. Zaimoglu zelebriert dabei eine Sprache, die Luther wohl gefallen hätte: plastisch und aufwühlend bis deftig-derb. Am Freitag stellt er sein neues Buch ab 20 Uhr in der Stadtbibliothek Göppingen vor. Es moderiert Andrea Maier. Der Autor, der 2016 den Berliner Literaturpreis erhielt, kommt auf Einladung der Integrationsbeauftragten Dragica Horvat.

Luther wollte bekanntlich „dem Volk aufs Maul schauen“. Diesem Wunsch trägt Zaimoglu Rechnung. Er vermeidet einen komplizierten Satzbau. „Durch seine kühne, vor allem aber originelle Luther-Story glückte ihm ein Coup, mit dem er einen Meilenstein im Genre ‚historischer Roman’ setzt“, urteilt der Radiosender MDR.Kultur.

Der bekennende Muslim Zaimoglu begibt sich im Buch auf die Wartburg des Jahres 1521. Er erzählt von einer Zeit des Umbruchs, von inneren Kämpfen, die der Bibelübersetzer auszufechten hat, von Macht und Ohnmacht des Glaubens. Dazu bedient er sich eines Ich-Erzählers, des erfundenen Kaufmannssohns Burkhard, der den geächteten Luther vor dem Terror seiner Feinde schützen soll. Dabei ist er selbst katholisch. Der ungehobelte Bursche steckt im Gewissenskonflikt.