Göppingen Zählen in Schichten

Im Schatten der Kastanien hatten es diese beiden Verkehrszähler gut. Die meisten anderen waren der sengenden Sonne schutzlos preisgegeben. Foto: Archiv
Im Schatten der Kastanien hatten es diese beiden Verkehrszähler gut. Die meisten anderen waren der sengenden Sonne schutzlos preisgegeben. Foto: Archiv
Göppingen / ELKE BERGER 16.06.2012
An der größten Verkehrszählung der Nachkriegszeit waren 170 Schüler und Bereitschaftspolizisten beteiligt. Zwei Tage lang wurde alles registriert und befragt, was sich auf Rädern durch Göppingen bewegte.

Ziel der groß angelegten Verkehrszählung soll aber nicht nur die Sammlung allgemeiner statistischer Daten zum Verkehr in Göppingen sein, sondern verspreche man sich auch Aufschluss darüber, ob die Göppinger Innenstadt durch den Bau der Umgehungsstraße entlastet wird oder nicht.

In zwei Schichten wird die tägliche Zählzeit zwischen 6 und 22 Uhr auf dem Göppinger Stadtgebiet von den vielen Helfern bedient. An acht verschiedenen Knotenpunkten soll genau registriert werden, in welche Richtung die stärksten Verkehrsströme gehen. Dabei wird diesmal also nicht nur die Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 10 kontrolliert, sondern sieben weitere Hauptverkehrspunkte in Göppingen. Die NWZ berichtete drei Tage lang, vom 13. bis zum 15. Juni 1962, ausführlich von den Vorbereitungen und dem Verlauf der Zählungen.

Die Hauptarbeit der Aktion wird laut Amtmann Epplen aber erst hinterher geleistet werden müssen, wenn es gilt, zigtausende Zettel zu sortieren und die Ergebnisse der Zählung auszuwerten. Das Stadtbauamt rechnet mit einem Vierteljahr Auswertezeit, bis die ersten Ergebnisse vorliegen.

Am ersten der beiden Zähltage sind die Verkehrszähler noch nicht sehr gefordert, findet doch nur eine Querschnittszählung statt. Dabei sind lediglich alle Verkehrsteilnehmer - einschließlich der Fahrradfahrer, die nicht von den motorisierten Fahrzeugen unterschieden werden - per Strichliste, getrennt nach Richtungen, zu erfassen. Am zweiten Tag wirds wesentlich komplizierter, will man doch nicht nur die Verkehrsbelastung der Göppinger Kreuzungen erfahren, sondern auch Aufschluss über die Stärke der verschiedenen Verkehrsströme, insbesondere über den Durchgangsverkehr, gewinnen. Sämtliche Fahrzeuge werden an den Stadtgrenzen von den Helfern gestoppt und befragt, dabei unterscheiden sie den Durchgangsverkehr, der rote Zettel ausgehändigt bekommt, vom Göppinger Zielverkehr, der mit weißen Zetteln erfasst wird. Wer die Stadt wieder verlässt, wird an den Ausfallstraßen abgepasst und muss den roten Zettel dort abgeben. Die bereits erfasste Uhrzeit an der Einfahrt nach Göppingen wird dann durch die Ausfahrtszeit ergänzt.

Die Schüler, die als Verkehrszähler eingesetzt sind, müssen sich am zweiten Tag die 20 D-Mark für ihre achtstündige Dienstzeit sauer verdienen. Nicht nur der vorhergesagte heiße Sonnentag wird ihnen zu schaffen machen. Insbesondere an der vierspurig befahrenen B10 müssen sie höllisch aufpassen und trotzdem ihre Arbeit zuverlässig und lückenlos verrichten. Darüber hinaus werden sie wohl in ihrem ganzen Leben nicht mehr so viel Auspuffgase einatmen müssen wie an diesem Tag.

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