Adelberg Yin und Yang auf der Spur

Ausflug in die Traditionelle Chinesische Medizin: Der Heilpraktiker Hans-Joachim Schneider demonstriert die Moxa-Therapie. Dabei wird über bestimmten Punkten der Haut feingeriebenes Beifußkraut abgebrannt.
Ausflug in die Traditionelle Chinesische Medizin: Der Heilpraktiker Hans-Joachim Schneider demonstriert die Moxa-Therapie. Dabei wird über bestimmten Punkten der Haut feingeriebenes Beifußkraut abgebrannt. © Foto: Sabine Ackermann
SABINE ACKERMANN 09.08.2012
Dem Geheimnis der chinesischen Medizin kamen die Teilnehmer des Sommers der Ver-Führungen im Heilkräutergarten des Klosters Adelberg auf die Spur. Der Experte Hans-Joachim Schneider half dabei.

Auf den Regen hätten die Gäste beim Rundgang durch den Kloster-Heilkräutergarten gerne verzichtet. Nichtsdestotrotz war das Interesse der Besucher an den asiatischen Heilpflanzen groß. Im trockenen Klosterzimmer wusste der Experte Hans-Joachim Schneider jede Menge Wissenswertes über die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) zu berichten. "Yin für Schatten und Materie und Yang, was für Sonne und Energie pur steht, bewirken das Lebendige auf der Welt, halten Körper und Geist im Gleichgewicht und erlangen damit die Gesundheit des Menschen", erklärte Schneider die ursprüngliche Bedeutung der beiden Zeichen, die aus der Zeit zwischen dem 16. und 11. Jahrhundert vor Christus bekannt sind. Dabei gilt es für die fünf Wandlungsphasen oder Elemente wie Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Die Synonyme aus der Natur bedeuten: Holz - Morgen, Sonnenaufgang, der Bambus wächst nach oben und speichert Energie. Feuer - Mittag, heiß und lebendig, höchstes Tageslicht und stärkste Aktivitätsphase. Metall - Nachmittag, alles wird langsamer, fest, ruhig, zieht sich zusammen und geht zurück. Wasser - Nacht, Ruhe kehrt ein, alles bleibt unverändert, Und zuletzt die Erde, die zwischen allen Übergängen steht.

"Die Chinesen sind neben den Indern in diesem Bereich sehr clever. Die ältesten medizinischen Grundlagenwerke, Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung verfasst, sind noch heute in Gebrauch. Eine große Rolle spielt dabei die Pflanzenheilkunde mit über 10 000 Heilpflanzen", betont der 53-jährige Heilpraktiker. Feiern von 1000 Chinesen mindestens 15 Prozent fast ohne große Gesundheitsprobleme ihren 100. Geburtstag, werden die Menschen in der westlichen Welt zwar auch immer älter, aber meistens mit Krankheiten, die laut Schneider bereits mit 50 oder 60 Jahren beginnen. "Genau genommen altern wir schon ab 26". Die Exzesse seien dafür verantwortlich. Wein statt Wasser, anormale anstelle normaler Lebensweise. Man gönne sich keine Auszeit mehr. "Man strebt danach, das Herz zu erfreuen. Vier Tage Ägypten, fünf Tage Kroatien. Hetze auch in der Ernährung. Es ist grauenhaft, in jeder Stadt hat jeder was zu Essen in der Hand", hält der Heilpraktiker den Anwesenden einen Spiegel vor. Mittlerweile gebe es 46 Prozent Übergewichtige und zehn Prozent Fettsüchtige, in Amerika sei es noch schlimmer.

Schneider erzählt von Richard Wilhelm, einem Theologen aus Boll, der "I Ging - das Buch der Wandlungen" schrieb, gibt einen Überblick über die Grundlinien und das Selbstverständnis der Traditionellen Chinesischen Medizin und deren Ansatzpunkte und Therapiemöglichkeiten. "TCM ist eine Erfahrungsheilkunde und hat zum Ziel, einen ganzheitlichen Ausgleich des Körpers und einen harmonischen Fluss des ,Qi zu erreichen." Diese Kraft fließe nach der TCM-Lehre durch den Körper. Dort, wo eine Störung dies verhindere, entstehe eine Krankheit, eine Beeinträchtigung des körperlichen und seelischen Wohlbefindens. Doch Schneider warnt auch. "Als Laie bitte nicht selber mit chinesischer Medizin rumwerkeln. Ein Zuviel an pflanzlichen Medikamenten kann zu stark und somit gesundheitsschädlich sein", rät er von Selbstmedikation und dem Einkauf von Billigtees oder Fertigmixturen ab.

Beeindruckend auch Schneiders Demonstration der Moxa-Therapie. Grundlegend für alle Moxa-Behandlungen ist, dass man über bestimmten Punkten der Haut feingeriebenes Beifußkraut - die "Moxa" - abbrennt und diese Punkte so erwärmt. Das Abbrennen bezeichnet man als Moxibustion. Die bei der Moxa-Therapie behandelten Hautpunkte liegen auf so genannten Meridianen oder Energiebahnen über den gesamten Körper verteilt. In ihnen soll das sogenannte Qi fließen, die körpereigene Energie. Das Reizen dieser Punkte durch Wärme soll mögliche Energieblockaden lösen und so das Qi wieder zum Fließen und ins Gleichgewicht bringen.