Göppingen Wurzeln von Brennnesseln sollen Haare fester machen

Peter Hippler (rechts) vom Naturheilverein Göppingen veranstaltete eine Wildkräuterführung im Rahmen des "Sommers der Ver-Führungen".
Peter Hippler (rechts) vom Naturheilverein Göppingen veranstaltete eine Wildkräuterführung im Rahmen des "Sommers der Ver-Führungen". © Foto: Iris Ruoss
Göppingen / IRIS RUOSS 29.07.2014
Im Rahmen des "Sommers der Ver-Führungen" machten sich 26 Teilnehmer mit Peter Hippler vom Naturheilverein Göppingen auf die Suche nach essbaren und heilenden Kräutern aus der Natur.

Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, sich mit Pflanzen auskennt und nicht allzu zögerlich ist, wenn es ums Probieren geht, der kann sich auf Wiesen und im Wald mit Essbarem eindecken und sich die Gesundheit sozusagen gratis in die Küche holen. Peter Hippler vom Göppinger Naturheilverein gilt als profunder Kenner, wenn es um essbare Pflanzen und ihre vorbeugende oder heilende Wirkung geht. Er hatte für die Gäste einer Veranstaltung des "Sommers der Ver-Führungen" auch gleich einen ganzen Kofferraum voller Pflanzen mitgebracht.

"Manches werden wir heute beim Rundgang einfach nicht finden", begründet Hippler seinen Vorrat. Schnell zeigte er Beinwell in die Runde, die wundheilende Wirkung hob er hervor. "Vorsichtig probieren", sagt er, denn die Pflanze könne auch allergische Reaktionen hervorrufen.

Wildkräuter für die Küche sammeln, das ist eine Lieblingsbeschäftigung von Peter Hippler. Was viele als Unkraut im heimischen Garten bekämpfen, das wird bei Hipplers gehegt und gepflegt und sogar ganz bewusst ausgepflanzt. Giersch ist ein Beispiel. "Den wird man im Garten nicht mehr los", sagt ein Teilnehmer. Das sei auch gut so, meint Hippler: "Giersch kann man fortlaufend ernten und als Salat essen." Auch Borretsch oder Portulak kommen in den Wildkräutersalat, Wilde Karde kann als Gemüse zubereitet werden und hat eine heilende Wirkung bei Borreliose. Dafür muss allerdings die Wurzel ausgegraben und als Tinktur angesetzt und eingenommen werden. Die Wiese ist für Peter Hippler eine Fundgrube und er nimmt die Gäste mit.

Schnell wird Löwenzahn gepflückt, er wandert nicht nur in den Salat, sondern kann auch zu Pesto verarbeitet werden. "Bei vielen Pflanzen muss man sich an den bitteren Geschmack gewöhnen", sagt Hippler und rät dazu, immer erst kleine Mengen im Essen mit zu verarbeiten. Rotklee zeigt Hippler als nächstes, die Blüten kommen in den Salat.

Smoothie ist ein Ausdruck, den Hippler häufig benutzt, denn alles was er sammelt, kommt in den Mixer und wird zu wahren Heilbomben in flüssiger Form zerkleinert. Ob Suppe, Salat oder Gemüse: Grünes aus der Natur kann vielseitig in den Speiseplan eingebaut werden. Brennnesselblätter eignen sich beispielsweise zum Ausbacken in Bierteig. Junge Blätter und Stängel vom Wiesenbärenklau werden gedämpft, mit Zitronensaft und Olivenöl mariniert und fertig ist das Delikatessgemüse.

"Allergiker sollten den Wiesenbärenklau meiden, es können Hautreizungen auftreten", erklärt Hippler. Birken- und Walnussblätter können, genauso wie Lindenblüten, zu Tees verarbeitet werden und haben unterschiedlichste heilende Wirkungen. "Brennnesselwurzeln auskochen und mit dem Sud die Haare behandeln", nennt eine Teilnehmerin eine weitere Verwendungsmöglichkeit. Sie hat festgestellt, dass die Haare dadurch fester werden.

Wer in der Natur unterwegs ist, kann sie, bei Bedarf, auch gleich als Apotheke nutzen. Mädesüß enthält den selben Wirkstoff wie Aspirin und wer unterwegs Kopfschmerzen bekommt, sollte einfach ein Blättchen Mädesüß kauen. "Nach zehn Minuten sind die Kopfschmerzen weg, das garantiere ich", sagt Hippler und warnt gleichzeitig: "Wer blutverdünnende Medikamente nimmt, darf nicht zu Mädesüß greifen."

Immer wieder werden die Handys gezückt und Pflanzen auch fotografiert, manche stecken sich Blätter und Blüten gleich ein um sie mit ihren Notizen zuhause vergleichen zu können.


Schon ver-führt?

Der "Sommer der Verführungen" nimmt Fahrt auf. Unter anderem bei den folgenden Veranstaltungen sind noch Plätze frei (Anmeldungen bitte direkt beim Veranstalter).

2. August: Mountainguide Ski & Bike Bad Ditzenbach, Aroma-Erlebnis-Radtour im oberen Filstal, Treff: 10 Uhr, Parkplatz am Thermalbad.

2. August: Besichtigung Hühnerfarm und Wanderung rund um Türkheim, Treff: 13 Uhr, Alb-Ei Kohn, Wittinger Straße 44, Türkheim.

2. August: Vier-Seen-Wanderung rund um Schlat; Treff: 14 Uhr, Parkplatz Rommentaler Burgstüble Schlat.

3. August: Wilhelmshöhe Geislingen, Türkheimer Straße 3, 14 Uhr, "Muße für EinsteigerInnen".