Region Neue Straßen und alte Bahnstrecken

Die Trasse der Boller Bahn muss auch weiterhin freigehalten werden.
Die Trasse der Boller Bahn muss auch weiterhin freigehalten werden. © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 11.05.2018
Der neue Regionalverkehrsplan enthält diverse Ortsumgehungen von höchster Dringlichkeit.

Rund 2000 Seiten Papier, mehr als 280 Straßen- und Schienenverkehrsprojekte, mehr als 1000 Stellungnahmen zu 4812 Einzelaspekten: Das ist der neue Regionalverkehrsplan, der im Verkehrsausschuss der Region am Mittwoch beschlossen wurde, die Regionalversammlung entscheidet abschließend im Juli. Viele der Projekte betreffen den Kreis Göppingen – doch ist eine Realisierung aller Vorhaben völlig ausgeschlossen, der Zeithorizont ist das Jahr 2025. Selbst wenn das Geld schon bewilligt wäre, könnten in der Kürze der Zeit unmöglich so viele Straßen und Schienenverbindungen gebaut werden, was auch Insider unter der Hand bestätigen.

Aus Sicht des Landkreises sind im Bereich Straßenbau vor allem zwei Projekte von Bedeutung: der Neubau des Albaufstiegs der A 8 sowie die Weiterführung der neuen B 10 bis und um Geislingen herum. Beides ist in der Rubrik „höchste Dringlichkeit“ aufgeführt. In derselben Rubrik tauchen noch mehr Umgehungsstraßen auf: Albershausen, Jebenhausen, Bezgenriet und Böhmenkirch. Zudem die Umfahrung von Rechberghausen, die nach den Vorberatungen eigentlich gestrichen werden sollte, nun aber weiter mit höchster Dringlichkeit verfolgt wird.

Für Projekte mit „hoher Dringlichkeit“ sollen „die noch ausstehenden Untersuchungen zeitnah in die Wege geleitet werden“, heißt es in dem Planwerk. In diese Kategorie fällt die Umgehung Heiningen.  Ein Bedarf erst nach dem Jahr 2025 erkennen die Planer für Projekte der Kategorie „Trassenfreihaltung“. Die Trassen sollen vorsorglich gesichert werden. Dies betrifft im Landkreis die Ostumfahrung Göppingen von der B 10 via Krettenhofstraße zur B 297, die Umfahrung Uhingen-Holzhausen mit Vollanschluss B 10/ 297 Uhingen-Mitte.

Schließlich gibt es noch die „wichtigen lokalen Straßenverkehrsprojekte“ mit vorwiegend lokalen Auswirkungen. Hierzu  zählt die Entlastung von Wäschenbeuren, die Nordwestumfahrung Salach sowie der Rückbau der alten B 10 in Reichenbach/Fils. Gestrichen wurden insgesamt elf Projekte, die nicht mehr weiterverfolgt werden. Im Landkreis sind dies die Umfahrung Holzheim und die Verbindung von der Eislinger Westtangente über den Stauferpark zur Hohenstaufenstraße.

Auch der Schienenverkehr ist Thema in dem Planwerk. Während es unstrittig war, dass die Trasse der Boller Bahn freigehalten werden soll – im Plan steht die Strecke Göppingen-Bad Boll-Kirchheim/Teck –, war dies bei der Trasse von Göppingen nach Schwäbisch Gmünd nicht klar. Diese sollte eigentlich gestrichen werden, doch die SPD-Fraktion beantragte, auch diese Strecke weiterhin freizuhalten. Bei einer Gegenstimme wurde dieser Vorschlag vom Ausschuss so angenommen. Der vorgesehene Neubau eines Supermarkts in Birenbach muss also im Rahmen eines Zielabweichungsverfahrens gesondert geprüft werden. Auch die Option einer S-Bahn-Verbindung im Filstal wird weiter offen gehalten.

Plan als Basis für viele Entscheidungen

Planwerk Der Verband Region Stuttgart definiert die Funktion des Regionalverkehrsplans mit diesen Worten: „Der Regionalverkehrsplan stellt die Weichen für eine nachhaltige Weiterentwicklung des Verkehrs in der Region Stuttgart. Er berücksichtigt sämtliche Verkehrssysteme, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Er hat darüber hinaus die für die Regionalplanung wichtigen Wechselwirkungen zu Siedlungs-, Freiraum- und Infrastrukturentwicklung im Blick. Dieses integrierte Handlungskonzept bildet somit die Basis für viele Entscheidungen der Regionalpolitiker und für Stellungnahmen der Region mit Verkehrsbezug. Letztlich stellt der Regionalverkehrsplan ein Instrument dar, um auf Investitionsentscheidungen von Bund, Land und Region Einfluss zu nehmen.“

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