Emanzipation und Haushalt - das scheint sich zunächst einmal ganz schön zu widersprechen. Nicht allerdings, wenn man es mit der Erfindung eines Putzgeräts zu beträchtlichem Reichtum und damit zu Unabhängigkeit bringt. In den 90er Jahren ist genau das der US-Amerikanerin Joy Mangano gelungen. Genervt und frustriert von ihren unzulänglichen Putzutensilien - im Grunde aber wohl von ihrem Leben als Hausfrau -, erfand sie kurzerhand den selbstwringenden Wischmopp "Miracle Mop".

Damit schaffte sie es nicht nur zur nationalen Berühmtheit, sondern machte auch noch einige Millionen. Die heute 59-jährige Italo-Amerikanerin gastiert regelmäßig als Moderatorin im Shopping-Fernsehkanal HSN und hat sich ihr eigenes Unternehmen "Ingenious Designs" geschaffen.

Und, ganz Vorbild für die heutige Generation, sie schaffte es, nebenher ihre drei Kinder großzuziehen, die ihr aus ihrer geschiedenen Ehe geblieben waren.

Im Grunde ist mit so einer Biographie eine Verfilmung fast schon zwingend. Der Regisseur David O. Russell ergriff die Gelegenheit beim Schopf und setzte Joy Mangano in seiner musikalisch aufgepeppten Komödie "Joy - alles außer gewöhnlich" ein liebevoll-skurriles Kinodenkmal, dessen Spannungsbogen nur gelegentlich durchhängt. Als Co-Produzentin agierte: die unermüdliche Joy Mangano höchstpersönlich.

Zwei "Golden Globe"-Nominierungen als beste Komödie und für die beste Hauptdarstellerin gab es dafür bereits. Joy wird verkörpert von dem aktuellen Hollywood-Liebling Jennifer Lawrence. Die 25-jährige Schauspielerin war erst kürzlich als rebellische Bogenschützin Katniss in dem Blockbuster "Die Tribute von Panem" zu sehen. Nicht nur wegen dieser Rolle wird sie als beste Schauspielerin ihrer Generation gehandelt. Einen Oscar hatte sie bereits für ihre Rolle in "Silver Linings" bekommen, Regie führte damals ebenfalls Russell. Und auch Bradley Cooper und Robert De Niro sind wieder mit von der Partie - die Chemie zwischen den drei Schauspielern und dem Regisseur scheint einfach zu passen.

Entstanden ist ein märchenhaftes Bio-Pic, das sich über vier Jahrzehnte erstreckt. Robert De Niro und Isabella Rossellini spielen Teile der dysfunktionalen Patchwork-Großfamilie Joy Manganos: Der Ex- "Taxi Driver" gibt den abgebrannten Vater und Garagenbesitzer Rudy. Der verliebt sich in Trudy, vom einstigen Model Rossellini ("Blue Velvet") als mit Schmuck behängte Witwe und Geldgeberin voll funkelnder Ironie verkörpert.

Das Drehbuch macht aus den widrigen Lebensumständen der Heldin ein schwarzhumoriges, auf mehreren Zeit- und Realitätsebenen spielendes Festival der Katastrophen. Verrat, Vertrauensmissbrauch, Verlust von Unschuld und verletzte Liebe formen aber nur Joys Charakter und ihre Zähigkeit.

Eine Mutter (Virginia Madsen), die ihre Tage Soap-Opera-süchtig im Schlafzimmer vor dem Bildschirm verbringt, eine Love-Story mit dem Südamerikaner Tony Miranne(Édgar Ramirez), der ein zweiter Tom Jones werden will, doch als ihr geschiedener Ehemann im Keller-Apartment der Familie endet. Ebenso wie Joys Vater, der wegen seiner neuen Flamme zuhause rausgeworfen wurde. Rudy ist Tony allerdings nicht gerade freundlich gesinnt, was auch Joys Leben nicht einfacher macht.

Doch die Erfinderin erhält viel weibliche Unterstützung: von ihrer Freundin, ihrer Tochter - und ihrer Großmutter (Diane Ladd), die überdies als Erzählerin fungiert. Denn sie weiß: Schon als kleines Mädchen hatte Joy gerne gebastelt. Sie träumte davon, mit ihren Händen Dinge und sich so ein eigenes Reich zu schaffen. Einen Prinzen hatte es für sie nicht gebraucht, um darin einmal als Königin zu herrschen. Dass es genau dazu kommt und die elegante Matriarchin hinter ihrem Chefinnen-Schreibtisch ihre Menschlichkeit behält, das ist der amerikanische Traum reloaded.

"Joy" ist eine Mutmacher-Geschichte im Sinne der Emanzipation, die zeigen will, dass es auch ohne Quote geht - zumindest, wenn man eine zündende Idee hat.

Auf einen Blick vom 31. Dezember 2015

Joy - Alles außer gewöhnlich

USA 2015, 124 Min., FSK 12

Regie: David O. Russell

Darsteller: Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Bradley Cooper, Isabella Rossellini

Kurzinhalt: In einer gnadenlosen Geschäftswelt baut die Titelheldin, dreifache Mutter, ein Imperium auf, um es als Matriarchin zu leiten. Während Joys innere Stärke und wilde Vorstellungskraft sie durch schwere Zeiten tragen, werden Verbündete zu Kontrahenten und Gegner zu Verbündeten - sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer Familie. Nach der wahren Geschichte der Unternehmerin Joy Mangano aus Long Island/New York.

SWP