Göppingen Wortakrobaten beim "Polit-Barometer" im Club Bambule

Der Sänger Ali Reza Azimi bereicherte den Abend mit seinen persischen Liedern, die er voller Inbrunst sang.
Der Sänger Ali Reza Azimi bereicherte den Abend mit seinen persischen Liedern, die er voller Inbrunst sang. © Foto: Staufenpress
Göppingen / SANDRA THURNER 02.05.2016
Dem Poetry Slam mit dem Titel "Polit-Barometer" winkte ein besonderer Preis: Eine Berlin-Reise, gestiftet von der SPD-Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens.

Das Polit-Barometer des Abends bezog eindeutig Stellung und zeigte auf seiner Skala maximale Toleranz und Kreativität im Umgang mit den Themen der Zeit. Gernot Zöller, Organisator des Poetry Slams und Leiter des CVJM-Jugendkulturcafés fasste es mit folgendem Anglizismus zusammen: "Refugees welcome".

Unter dieser Prämisse traten acht Wortakrobaten auf - zum Teil angereist aus Wien, aus Ravensburg und Singen. Die Dichterin Safiye Can war aus Frankfurt gekommen und bereicherte mit ihrer bereits mehrfach veröffentlichten Lyrik den Abend. Gernot Zöller sagte einleitend: "Es ist wichtig, auch für die nachkommenden Generationen, Stellung zu beziehen."

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens stiftete für den Gewinner des Slams eine dreitägige Reise nach Berlin. Begründung: "Dichten war schon immer eine brotlose Kunst." Sie ermutigte die Künstler, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. "Es lebe die Freiheit der Kunst", so Baehrens. "Gerade jetzt heißt es Flagge zu zeigen." Im Falle einer Majestätsbeleidigung riet die Politikerin den Poeten schmunzelnd, direkt mit ihr Kontakt aufzunehmen.

Mit dieser Rückenstärkung starteten die Künstler den Wettbewerb um Worte und deren Wirkung. Der Stuttgarter Ramon Schmid präsentierte einen Text unter der Überschrift "Was Politisches" und riet mit scharfem Unterton: "Statt was Politisches zu schreiben, einfach kritisch zu schweigen." Er plädierte für ein "Kreuzchen für die grün-gelbe Mitte, für Anstand und Sitte" und produzierte damit eine ironische Pointe nach der anderen.

Die Göppinger Slammerin Xenia Stein zitierte als Intro für ihren Text den kategorischen Imperativ des Philosophen Immanuel Kant und zeichnete kurzerhand aus Sprache ein so genanntes "Triptychon". Den Begriff erläuterte sie vorab für das Publikum. Sie kritisierte "Logik wie aus Holz" und stellte fest: "Du sagst das Wort 'Aber' zu oft" und "Dein Recht auf Angst willst du haben."

Auch Kim Schulz aus Ravensburg widmete sich dem Thema Angst und gewann mit seinem Vortrag die erste Runde. Im Finale traf er auf Alina Schneider alias Tomna, die in ihrer Sprachjonglage gleich drei Erzählstränge parallel entfaltete. Tomna gewann dann schließlich, im Finale knapp mit einem Text zu Geschlechterrollen und Homosexualität. Auf nach Berlin!

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