Medizin Workshop zum Welt-Alzheimertag klärt auf

Hartwig von Kutzschenbach referierte über die Erforschung der hirnorganischen Krankheit Alzheimer und gab Ratschläge zum Umgang mit Erkrankten.
Hartwig von Kutzschenbach referierte über die Erforschung der hirnorganischen Krankheit Alzheimer und gab Ratschläge zum Umgang mit Erkrankten. © Foto: Archiv
Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 05.09.2018

Wenn jemand auf drei verschiedene Fragen nach Name, Wohnort und dem Namen des Ehepartners jeweils gleich antwortet, dann bestehe der Verdacht auf eine dementielle Erkrankung. Früher wurden Menschen mit einer Demenz als verwirrt oder irre abgewertet und auch gefesselt. Und selbst, als der Entdecker dieser hirnorganischen Erkrankung, der Neurologe Alois Alzheimer, zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine Ergebnisses in Tübingen vorstellte, war das Interesse alles andere als groß.

Erst in heutiger Zeit rückt das Verständnis dafür mehr in den Fokus der Gesellschaft, weil infolge der demographischen Entwicklung zunehmend ältere Menschen und ihre Angehörigen von den Folgen dieser Erkrankung betroffen sind. In Deutschland ist es im Alter von 80 bis 90 Jahren jeder Dritte und insgesamt sind es momentan etwa 1,7 Millionen Menschen.

Um Verständnis für die Patienten und ihre Angehörigen zu wecken, gibt es seit 1994 den Welt-Alzheimertag. In Göppingen veranstaltete das Netzwerk Demenz im Bürgerhaus unter anderem einen Workshop „Erste-Hilfe-Kurs Demenz“ für Fachkräfte und Ehrenamtliche, der vom Vorsitzenden der Alzheimergesellschaft Baden-Württemberg, Hartwig von Kutzschenbach, geleitet wurde.

Der Referent ging auf das Leben und die Erforschung der Krankheit durch Alois Alzheimer ein, beschrieb die vielen unterschiedlichen Formen von Demenz, die Risikofaktoren, die Behandlungsmöglichkeiten mit Medikamenten und vor allem den adäquaten Umgang mit einem Erkrankten. Mit Filmmaterial wurden alltägliche Situationen gezeigt und die Teilnehmer hatten Gelegenheit für Fragen und zum gegenseitigen Austausch.

Wenn Störungen beim Gedächtnis, der Orientierung, dem räumlichen Vorstellungsvermögen, in der Auffassung, beim Rechnen, bei der Sprache und im Urteilsvermögen und angemessenen Reagieren auf Situationen länger als sechs Monate andauerten und andere Krankheitsbilder ausgeschlossen werden konnten, habe man es mit einer Form von Demenz zu tun, sagte von Kutzschenbach. Vererbung spiele quasi keine Rolle, aber es gebe Risikofaktoren wie Mangelernährung, ein zu niedriger Vitamin-B12-Spiegel, Alkohol­­konsum, Mangel an Bewegung und zu viele Medikamente. Das größte Risiko sei jedoch das Alter.

Die Verlaufsdauer von Alzheimer, einer Form der Demenz, betrage etwa sieben Jahre. Die Krankheit habe jedoch eine Vorlaufzeit von etwa 30 Jahren, ohne dass man dies bemerke. „Es ist eine lange Strecke mit Veränderungen, aber man kann lange gut damit leben“, sagte von Kutzschenbach. Obwohl das Abscannen der Umgebung und die Einordnung verloren gehe, was Stress und oft auch Depression erzeuge und damit den Patienten und auch seine Umgebung verändere, sei das gefühlsmäßige Mitschwingen nicht verändert.

Die Krankheit Demenz könne nicht geheilt werden, Folgen jedoch  gelindert werden. Von Kutzschenbach beschrieb die Auswirkungen der Krankheit auf den Betroffen in vielen Beispielen. Der Hauptfokus des Workshops galt jedoch dem Umgang mit Betroffenen. Keinesfalls dürfe man einen Menschen mit dieser Erkrankung damit konfrontieren, weil dies nichts ändere und nur Stress und Unruhe auslöse. Am wichtigsten sei es, den jeweiligen Menschen dort abzuholen, wo er stehe, und jeweils individuell so mit ihm umzugehen, dass es ihm helfe.

Zwischen 80 und 90 ist jeder Dritte von Demenz betroffen

Der Welt-Alzheimertag findet seit 1994 statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation von Menschen mit Demenz und die ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen.

Viele verschiedene Formen von Demenz-Erkrankungen sind bekannt. Alzheimer ist mit etwa 60 Prozent die häufigste hirnorganische Erkrankungsform der Demenz. Der Name Alzheimer geht auf den Neurologen Alois  Alzheimer zurück, der die Krankheit 1906 erstmals wissenschaftlich beschrieben hat. Demenz (ohne Geist) ist der Oberbegriff für Krankheiten, die mit dem Verlust von geistigen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten verbunden sind.

Demenzerkrankungen Weltweit sind etwa 45 Millionen Menschen davon betroffen, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Die Zahl wird bis 2050 auf 131 Millionen geschätzt. In Deutschland sind 1,7 Millionen Menschen betroffen. Größtes Risiko ist das Alter.

Hilfen Eine Heilung der Krankheit ist nicht möglich, aber es gibt Hilfen durch medizinische Behandlung, Beratung, soziale Betreuung und fachkundige Pflege.

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