Bereits vor Monaten sind Pendler für das anhaltende Bahnchaos entschädigt worden – aber nur auf der Remsbahn (Stuttgart-Schwäbisch Gmünd-Aalen) und der Frankenbahn (Stuttgart-Heilbronn-Würzburg). Bahnkunden im Filstal gingen leer aus, wenige Kilometer weiter gab es es Entschädigungen in Höhe der Kosten einer Monatskarte. Nun will die Bahntochter DB Regio auch zwischen Stuttgart und Ulm aktiv werden, dies soll noch im März geschehen.

Noch macht die Bahn ein Geheimnis um die Entschädigungen, ein Sprecher in Stuttgart meint: „Ich darf Ihnen noch nicht zu viel verraten.“ Doch auf Gutschriften wie im Remstal sollten sich die Kunden nicht freuen: „Es ist einfach ein Beschluss von DB Regio, sie wollten das mal anders machen.“ Das bedeutet: „In einer breiten Aktion an der Strecke und auf den Bahnhöfen – wir werden auf eine angemessene, andere Art für Entschädigung sorgen.“

Diese andere Art könnte eine Geschenkaktion am Bahnsteig sein. Dies haben weitere Nachfragen bei der Bahn ergeben. Offenbar ist angedacht, eine Agentur zu beauftragen, die Aufmerksamkeiten an die Pendler verteilt, „etwas Schönes“. Ob es sich dabei um Schokolade, Pralinen, Blumen oder Reisegutscheine handelt, war aber nicht in Erfahrung zu bringen.

Sven Detzer macht diese Ankündigung fassungslos. Der Berufspendler aus Donzdorf streitet sich schon lange mit den Bahn-Verantwortlichen wegen Entschädigungen, zwei Aktenordner füllt der Schriftverkehr. „Das ist ja wohl ein Witz“, meint er nun zur Ankündigung des Bahnsprechers. „Ich bezahle für mein Ticket ein Jahr im Voraus 1900 Euro und soll für diesen ganzen Ärger eine Schokolade oder Blumen bekommen?“ Detzer ist nun richtig sauer: „Ich hoffe nicht, dass die Bahn das versucht, die Leute bräuchten glaube ich Schutzkleidung, die sowas austeilen.“ Er fragt: „Und wo bleibt dann die Gleichbehandlung? Andere Pendler haben einen Monatsbeitrag zurückbekommen. Wieviel Schokolade soll ich essen?“

Erst am Dienstag ging eine Mail vom Göppinger Landratsamt an die Bahn – auch sie dreht sich um die Frage der Entschädigung. Eine Antwort habe er bislang nicht erhalten, berichtet der Vizechef des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur, Sebastian Hettwer. Auch dem Verband Region Stuttgart und dem Landesverkehrsministerium sind keine Pläne der Bahn bekannt, ob und wie Fahrgäste für Verspätungen und Zugausfälle entschädigt werden.

Pendler Sven Detzer hatte aus dem Büro des Bahnvorstands einmal eine Antwort per E-Mail bekommen. Nachdem er hin und wieder fünf Euro wegen verspäteter Züge erhalten hatte, war ihm der Kragen geplatzt. Ihm wurde daraufhin beschieden, „dass man wegen der Gleichbehandlung aller Bahnkunden keine weitere Entschädigung zahlen wird“, erzählt er. Noch immer muss er sich über diese Argumentation aufregen: „Wieso, frage ich, bekommen Pendler auf Rems- und Frankenbahn dann eine gesonderte Entschädigung?“

Eine gelungene Fahrplangestaltung


Durchsagen Pendler Sven Detzer aus Donzdorf stand gestern Abend mit 20 Minuten Verspätung in Ebersbach. Er berichtet von zwei Durchsagen des Zugführers. In Plochingen hörte Detzer zu seinem Erstaunen: „So und nun haben wir eine Türstörung. Bitte drücken Sie noch mal bei allen Türen auf den Türöffnerknopf, dass alle Türen noch mal öffnen und dann gegebenenfalls wieder richtig schließen, vielleicht kommen wir so schneller weiter. ... Vielen Dank, es hat geklappt.“ In Ebersbach ging das Staunen weiter: „Zur Dokumentation einer gelungenen Fahrplangestaltung gibt es jetzt mindestens zwei Überholungen.“