Konzert Wohltuende Harfenklänge im Kurhaus Bad Boll

Bad Boll / Ulrich Kernen 11.09.2018

Der Soloabend der Harfenistin Eva-Maria Bredl im königlichen Festsaal des Kurhauses Bad Boll fand gleich aus zwei Gründen am richtigen Ort statt: Die Harfe war und ist das Instrument der Könige, und die Programmauswahl passte außerdem hervorragend zu einer Rehaklinik: Zu hören war anrührende, entspannende, kostbare Musik, von Meistern ihres Instruments komponiert.

Die ätherischen Klänge der vier Stücke opus 16 von Marcel Tournier brachten die Zuhörer zu Beginn zur Ruhe – unaufgeregt nahm Eva-Maria Bredl die rhythmisch freien Préludes, bei denen das „dolcissime“ im „lent“ und die Anmut im cantablen „allegretto“ besonders auffielen.

Klare Konturen hatte anschließend der erste Satz aus der 6. Sonatine von François Joseph Naderman mit seiner wehmütigen Eleganz. In diesem Bravourstück des „Leibharfenisten“ der französischen Königin konnte die Künstlerin die große Pracht der Klangfarben ihres Instruments vorstellen.

Zwei weitere Meisterwerke schlossen dann den ersten Teil ab: die „Fantaisie“  opus 95 von Camille Saint-Saëns, der als einziger Komponist in diesem Programm kein Harfenist war, und „The Ministrel’s Adieu to his Native Land“ von John Thomas. Wandernd von Einfall zu Einfall führte Saint-Saëns auch in entlegene Klangbereiche, in denen die wunderbare Konzertharfe Bredls manche Überraschung hervorzauberte. In wohltuender Ruhe ging sie dann die Variationen über ein walisisches Lied an – ein besonderer Genuss.

Der zweite Teil enthielt vier Werke aus dem Bereich der „Programmmusik“, die vorwiegend die Atmosphäre von Morgen- und Abenddämmerung aufnahmen – die magischen Momente der Romantiker. In zu- und abnehmende Glissandoreihen waren mitunter eigenartige Rufe und Geräusche eingefügt. Dass eine Harfe auch anders kann, bemerkte man im südamerikanischen „Firedance“ von David Watkins und in dem geheimnisvollen Rauschen der „Harpe Éolienne“, worin die alte „Windharfe“ aus romantischer Zeit wieder zum Leben erweckt wurde. Dies brachte deutlich Abwechslung in das Programm. Absolut stimmig führte zum Schluss das „Chanson dans la Nuit“  im Pianissimo in die Abendstille des Kurparks hinein: ein wohltuender Konzertabend voller musikalischer Preziosen.

Ulrich Kernen

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