Geislingen / Frankfurt WMF auf Hochglanz poliert

Geislingen / Frankfurt / RODERICH SCHMAUZ 10.02.2012
Völlig unbeeindruckt von Finanz-, Euro- und Schuldenkrisen liefen 2011 die Geschäfte der WMF "im wahrsten Sinn des Wortes glänzend". Vorstandschef Klapproth meldet erneut einen Umsatzrekord.

Fast hätte der WMF-Konzern schon im vergangenen Jahr die für 2012 angepeilte Umsatzmilliarde erreicht. Gleich um neun Prozent steigerte das Weltunternehmen mit Sitz in Geislingen seinen Umsatz auf 980 Millionen Euro. Wachstumsmotor war der Export, die "WMF group" steigerte im Ausland ihren Umsatz um 16 Prozent auf 470 Millionen Euro. Der Auslandsanteil stieg um drei auf 48 Prozent. "Dass wir so hervorragend abschließen, ist wirklich bemerkenswert", freute sich Vorstandschef Thorsten Klapproth, der im Export noch viel Potenzial sieht, insbesondere auf dem chinesischen Markt.

Er gab die Unternehmenszahlen gestern in Frankfurt bekannt, am Vortag der weltgrößten Konsumgütermesse Ambiente. Durchweg seien die Zuwächse der WMF höher als die der jeweiligen Branche. Und zum sechsten Mal in Folge gelang ein Rekordumsatz. "Wo die WMF ist, ist vorne", hatte der Vorstandsvorsitzende unlängst selbstbewusst auf einer Betriebsversammlung in Geislingen gesagt.

Welcher Gewinn fürs Jahr 2011 herausspringt, gibt die WMF auf der Bilanzpressekonferenz im April bekannt. Zum Geschäftsverlauf in den Hauptbereichen machte Klapproth interessante Ausführungen.

Bei den 205 eigenen Filialen im deutschsprachigen Raum erzielte die WMF Verbesserungen bei den Standorten, beim Umsatz pro Quadratmeter und Umsatz pro Kunde (nun 46 Euro). Offenbar denkt die WMF auch an Filialen in Osteuropa. Zudem hat sie 2011 weltweit 280 neue Markenshops eröffnet. Die WMF ist nun an 5250 Standorten präsent, in China mit 85 Shops.

Die Kochgeschirrfertigung in Geislingen ist voll ausgelastet. Die dort Beschäftigten arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb, auch an Samstagen. 20 Prozent mehr Töpfe wurden laut Klapproth hergestellt. Er führt das unter anderem auf die patentierte "Cool+"-Technologie zurück, bei der die Wärmeübertragung vom Topf auf die Griffe besonders effektiv unterbunden wird.

Angesichts enger Margen hält Klapproth die für den Standort Geislingen beschlossene, weitgehende Automatisierung der Kochgeschirrfertigung mit Robotern für dringend geboten.

Das traditionsreiche Kapitel Bestecke endet vollends am Standort Geislingen, indem die Endbearbeitung eingestellt wird und der Packsaal wegfällt. Am Standort Geislingen beschäftigt der Konzern aktuell noch 1850 Leute - in WMF, Prolog, Promont und Fischhalle. Die komplette Besteckherstellung samt der Härtung des Stahls zum kratzresistenten "Cromargan protect" wird jetzt im WMF-Werk im chinesischen Heshan erledigt, teilt Klapproth mit.Auf der Ambiente stellt die WMF das neue Besteck "Corvo" vor.

Die Umstrukturierung bei den Elektrokleingeräten ist weit gediehen. Mit neuen, preiswerten Produktlinien sollen die Tochtergesellschaften Princess (im Ausland) und Petra (in Deutschland) mit großen Stückzahlen punkten. Die WMF will das "gehobene Mittelpreissegment" bedienen. Der Startschuss fällt bei der IFA in Berlin. Die WMF will zum Vollsortimenter auf diesem Wachstumsmarkt werden, erläutert Klapproth.

Bereits jetzt bietet die WMF die metallbeschichteten Elektrokleingeräte der Serien "WMF Kult" (Stab- und Handmixer, Zerkleinerer und Küchenmaschine) und Nero (Ther- mo-Filterkaffeemaschine; Wasserkocher, Toaster) an. Alle Elektrokleingeräte - mit Ausnahme der Kaffeautomaten für zu Hause - lässt die WMF in Fernost produzieren.

Nach den Krisenjahren werden wieder Hotels gebaut und mit WMF-Produkten ausgestattet, konstatiert Klapproth zufrieden. Eine neue WMF-Adresse ist zum Beispiel das Ritz Carlton Hong Kong, dessen Internationales Wirtschaftszentrum in der 102. bis 118. Etage die WMF mit Utensilien zum gedeckten Tisch und Büfett ausgestattet hat.

Noch erfolgreicher waren die WMF-Profi-Kaffeemaschinen. Mit ihnen werden derzeit viele neue Stadien für die Fußball-EM in Polen und der Ukraine ausgestattet. Ein Erfolgsfaktor ist nach Klapproths Einschätzung das Netz mit 480 eigenen Kundendiensttechnikern.

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