Einen unterhaltsamen und filmreifen Abend bot die Württembergische Landesbühne (WLB) aus Esslingen in der Eislinger Stadthalle mit ihrer Vorstellung der Komödie „Die Kirche bleibt im Dorf“.

Mittels einer Simultanbühne werden in der Inszenierung der WLB die wichtigsten Handlungsorte dargestellt. Damit sind rasante Szenenwechsel möglich bei dem  Stoff von Ulrike Grote, der 2012 bereits im Kino, erfolgreich war. So mancher „Spezialeffekt“ fehlt auch nicht. Sei es durch Erdbeergsälz, das aus den Augen eines Engels spritzt oder mit einem Sarg, der bedrohlich von der abschüssigen Bühne auf die Zuschauerreihen zurollt und erst im letzten Moment abgefangen wird. Die Geschichte handelt von zwei benachbarten Dörfern, deren Alltag sich so gar nicht im simultanen Gleichklang befindet, sondern von Feindseligkeiten geprägt ist.

Die Uraufführung des Stücks unter der Regie von Christine Gnann fand im vergangenen Dezember im Schauspielhaus der Württembergischen Landesbühne statt. Nun sind die Esslinger damit auch auf Tournee durchs Land und zeigen den Zwist zwischen Unter- und Oberrieslingen. Diese Woche waren sie in Eislingen, das seit nunmehr 85 Jahren den Dualismus von Klein und Groß unter dem einigenden Dach der Stadt eingefangen hat.

In den beiden Rieslinger Dörfern teilt man sich zwar Kirche und Friedhof, aufgeteilt zwischen den beiden Flecken, doch das verschärft die Konflikte nur. Wie auch ein Schlagloch, das genau auf der Gemarkungsgrenze liegt und in dem die Mutter des Oberrieslinger Bürgermeisters Häberle zu Tode kam, „ein Schlägle im Schlagloch“ erlitten hatte. Nachdem ihr ein Grab auf dem Unterrieslinger Friedhof direkt neben dem Kompost zugewiesen wird, ein Ami die Oberrieslinger Kirche kaufen will und auf Häberles Zustimmng trifft, eskaliert der Streit. Da hilft es auch wenig, dass Botschafter Amor bei den jungen Männern und Frauen der Dörfer in Sachen Pendeldiplomatie unterwegs ist. Im Gegenteil, die Verwicklungen und Animositäten der älteren Generation werden noch größer. Mein Feind, der Gegenschwieger? Nein, das können sie sich auf beiden Seiten nicht vorstellen.

Und doch schließt sich hier der Kreis der Geschichte, denn der Ursprung der Erbfeinschaft liegt im Mittelalter in einer solchen Beziehung zweier junger Rieslinger aus den Linien der bis heute verfeindeten Familien, der Häberles und der Rossbauers, aus Ober- und aus Unterrieslingen. Das ist festgehalten auf einem in der Kirche verborgenen Dokument, auf das auch der Ami scharf ist und daher die Kirche kaufen will.

Es sei die Urfassung von Romeo und Julia aus der Feder eines gewissen Walter Strümpfelbach, verkünden die Entdecker der Botschaft von der Bühne herab dem staunenden und herzhaft lachenden Publikum. Und schon zeichnen sich am Gewitterverhangenen Himmel nach dem Todesfall mehrere grenzüberschreitende Hochzeiten ab. Auch eine kommunale Verbindung gibt es: Am Ende steht zur musikalischen Zugabe das Ortschild „Rieslingen“ auf der Bühne.

Neben der lustigen Geschichte lebt das Stück von den klischeehaft überzeichneten Figuren und eigenwilligen Charakteren sowie einem ironisch-liebevollen Blick auf einen im Mischmasch aussterbenden urschwäbischen Menschenschlag. Oder wie es in einer Liedzeile heißt: „Do ben ich drhoim, wo dr Bürgermeister lebenslang em Amt isch ond alle Leit Grüß Gott sagat ond sich et drbei end Auga guggat.“ Begleitet wird die gelungene Vorstellung durch Musik, vor allem aus der Feder von Grachmusikoff/Schwoißfuaß, die von den Schauspielern selbst gesungen wird. Dabei auch der Klassiker „Oiner isch emmer d‘r Arsch“.