Konstantinos Papachristou ist am Boden zerstört: „Die Bierakademie war nicht nur eine Wirtschaft in Göppingen. Sie war das Beste, was es gab“, sagt der Pächter, dessen Lokal in der vergangenen Woche niedergebrannt ist. Er müsse erst einmal seine Gedanken sammeln, zu frisch sei das Erlebte. Und es sei alles so schnell gegangen, binnen fünf Minuten habe es in der Traditionskneipe lichterloh gebrannt.

Er sei zwar versichert. „Aber was bringt das alles“, meint der 59-Jährige nachdenklich. Materielle Dinge seien ersetzbar, ihm gehe es vielmehr um den ideellen Wert der Bierakademie. „Jeden Quadratzentimeter, ja jeden Quadratmillimeter“ seiner Kneipe habe er gekannt, auf den Monat genau 14 Jahre stand er als Wirt am Tresen seiner Wirtschaft und habe jede einzelne Sekunde genossen und ausgekostet. „Der Schock sitzt tief, hier ist ein ganzes Lebenswerk verbrannt“, sagt Papachristou mit leiser Stimme.

Besonders tragisch: An jenem Abend des 2. Januar feierte der Pächter seinen Geburtstag in der Kneipe. „Es waren etwa 15 Leute da“, erzählt der Wirt. Man habe zusammen über Heiligabend und Silvester gesprochen und Fotos angeschaut. „Und plötzlich stürmte jemand rein und schrie: Es brennt“, schildert Papachristou den Moment, als der gemütliche Abend ein jähes Ende fand. Er selbst habe sich geistesgegenwärtig einen Feuerlöscher geschnappt und versucht, den Flammen die Stirn zu bieten. Auch Nachbarn hätten geholfen. Vergeblich.

Brandursache noch immer unklar

Warum es zu dem Feuer kam, darauf kann sich der Wirt keinen Reim machen. „Ich möchte die Ursache wissen“, sagt er bestimmt. Diese herauszufinden, daran arbeitet die Polizei mit Hochdruck. Doch noch ist nicht klar, warum die Bierakademie, die es unter diesem Namen 38 Jahre lang  in Göppingen gab, in jener Nacht in Flammen aufging. „Das Gebäude musste erst betretbar gemacht werden, es war zum Teil einsturzgefährdet“, erklärt Holger Fink, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ulms. „Die kriminaltechnischen Maßnahmen laufen jetzt erst richtig an“, ermittelt werde in alle Richtungen. Es werde ein Sachverständiger eingeschaltet, möglicherweise werden Zeugen befragt. Bis das Gutachten fertig sei, werde es einige Zeit dauern, sagt Fink.

Das Feuer war am 2. Januar in einem kleinen Schuppen neben der Gaststätte ausgebrochen. Die Feuerwehr rückte gegen 21 Uhr an. Sie konnte ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude verhindern und hatte das Feuer gegen 23.40 Uhr gelöscht. Menschen wurden bei dem Großbrand in der Innenstadt glücklicherweise nicht verletzt. Der Schaden ist mit geschätzten 300.000 Euro jedoch enorm.

Konstantinos Papachristou will die kommenden Tage schauen, ob noch irgendetwas den Brand überstanden hat, zum Beispiel der Tresor, den er im Keller hatte. Seit dem vergangenen Mittwochabend war er nicht mehr an dem Ort, wo seine Kneipe war und wo er 14 Jahre lang Getränke ausgeschenkt hatte. „Ich will die Bierakademie wieder aufbauen, und zwar an der gleichen Stelle“, sagt der Mann, der in Göppingen wohnt, entschlossen. Die Vermieter hätten ihm Unterstützung zugesagt. Doch derzeit überwiegt noch die Trauer: „Ich habe mein Herz dort gelassen.“

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