Boehringer-Areal Wird die alte Gießerei die neue Werfthalle?

Oberbürgermeister Guido Till (l.) und Martin Maier, Geschäftsführer der städtischen Business-Park-Gesellschaft, haben schon konkrete Vorstellungen, wie die alte Gießerei saniert und genutzt werden soll.
Oberbürgermeister Guido Till (l.) und Martin Maier, Geschäftsführer der städtischen Business-Park-Gesellschaft, haben schon konkrete Vorstellungen, wie die alte Gießerei saniert und genutzt werden soll. © Foto: Staufenpress
Joa Schmid 29.09.2017
Geht es nach OB Guido Till, braucht sich Märklin um die Märklintage 2019 nicht zu sorgen. Die alte Gießerei stehe als Ersatz für die Werfthalle bereit.

Wenn ein Oberbürgermeister ins Schwärmen kommt, dann hat er meist Großes vor. Das ist auch bei OB Guido Till nicht anders. Auf der Suche nach einem Ersatz für die Werfthalle im Göppinger Stauferpark, die jetzt im Besitz der Firma Kleemann ist und für öffentliche Veranstaltungen nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht, ist der Göppinger Rathauschef auf dem ehemaligen Firmengelände von Boehringer fündig  geworden. Seit eineinhalb Jahren gehört das rund 48 000 Quadratmeter große Areal gegenüber  von Märklin an der  Stuttgarter Straße der städtischen Tochtergesellschaft Business Park Göppingen (BPG). Sie hat sich bereits als Entwickler des Göppinger Stauferparks einen Namen gemacht  und wirbt jetzt um Gewerbeansiedlungen bei Boehringer. Mit ersten  Erfolgen: Im ehemaligen Verwaltungsgebäude  hat sich die Firma Elektroplan eingemietet, ein Architekturbüro steht in den Startlöchern. BPG-Geschäftsführer Martin Maier ist zuversichtlich, dass es weiter vorangeht. Der Standort mit dem direkten B-10-Anschluss sei attraktiv.

Auch OB Guido Till  hat Interesse: In der alten Gießerei will er  künftig Messen, große Konzerte und Ausstellungen sehen. „Wir brauchen eine Nachfolgerin für die Werfthalle, sonst haben wir einen Wettbewerbsnachteil.“ Till hat den Ausbau der Gießerei zur Chefsache erklärt und rechnet fest mit der Zustimmung des Göppinger Gemeinderats. Um den Ausbau und die Vermarktung soll sich die Businesspark-Gesellschaft kümmern. Als Betreiber schwebt Till die Agentur Staufen Plus vor. Sie habe viel Erfahrung mit Messen und Großveranstaltungen in der Werfthalle gesammelt. „Die Agentur hat gezeigt, dass sie eine Halle bespielen kann, auf höchstem Niveau.“

Für kontroverse Diskussionen im Gemeinderat könnte sorgen, dass das Göppinger Technikforum in der alten Gießerei  ein Industriekulturzentrum mit einer Handwerkergasse einrichten möchte. Eine Idee, die bei einigen Stadträten auf offene Ohren stößt. Till dagegen ist wenig begeistert.  „Ein Industriemuseum zu all den anderen Museen in der Stadt würde keinen Sinn machen“, sagt er. Der Rathauschef hält die derzeitige Unterbringung des Technikforums in ehemaligen Garagen auf dem Boehringer-Areal  für ausreichend. Ausstellungen der historischen  Boehringer-Maschinen, die von Mitgliedern des Technikforums liebevoll restauriert wurden, seien trotzdem möglich.

Zündstoff bergen womöglich auch die Kosten für die Sanierung des historischen Bauwerks –  inklusive Brandschutz, Elektrik, Belüftung und Sanitär. Bisher ist nicht klar, wie viel die Stadt investieren müsste. Auch beim Zeitplan hält sich Till bedeckt. Nur soviel steht für ihn fest: „Firmenchef Florian Sieber braucht sich über den Austragungsort für die Märklintage im Jahr 2019 keine Sorgen zu machen.“ Bis dahin stünde die Halle bereit, notfalls als Provisorium. Geht es nach Till, dann soll auf dem Areal ein Parkhaus gebaut werden.  „Das könnte  auch Märklin für die Besucher seines Museums nutzen.“

Tatsächlich ist das historische Gießerei-Ensemble, das teilweise unter Denkmalschutz steht,   mit einer Nutzfläche von 6000 Quadratmetern mehr als doppelt so groß wie die Werfthalle, die der Göppinger Unternehmer Johannes Krauter einst saniert und betrieben hatte. In der zentralen, bei Bedarf auch teilbaren Halle der Gießerei könnte eine Veranstaltungsstätte mit bis zu 3000 Quadratmetern Fläche entstehen. Zum Vergleich: die Werfthalle ist lediglich 2500 Quadratmeter groß. „Der Charakter des Gebäudes soll erhalten bleiben, mit Patina wie bei der Manufaktur in Schorndorf“, schwärmt  Till, der darauf hofft, dass die Verhandlungen mit dem Landesdenkmalamt genug Spielraum für neue Ideen lassen. Insgesamt stehen im  Werk II  sechs Hallen von 864 bis 1230 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, drei davon lassen sich zusammenlegen.  BPG-Geschäftsführer Maier ist begeistert: Die Räume böten auch Möglichkeiten für Filmstudios, Ateliers und Gastronomie. OB Till formuliert es anders: „Die alte Gießerei hat ein besonderes Flair.“

Gutachter schlägt Wettbewerb vor

Expertise Die von der Stadt mit einer Machbarkeitsstudie für das Boehringer-Areal beauftragte Blue Estate GmbH hat im Gemeinderat ihre Ergebnisse präsentiert. Axel Ramsperger und Tabea Schmidt empfehlen den Stadtpolitikern, ein langfristiges Ziel für das Gelände sowie einen Terminplan festzulegen, kulturelle und multifunktionale Nutzungen zu formulieren, Angebote für Forschungs-, Entwicklungs- und Dienstleistungsflächen zu schaffen und einen städtebaulichen Wettbewerb vorzubereiten. Alt- und Neubauten sollten auf dem Areal kombiniert werden. Auch der Bau
eines Parkhauses sollte in Erwägung gezogen werden. Die Experten weisen auf die widersprüchlichen Einschätzungen von Denkmalschutzbehörde und anderen Fachleuten hin. „Ganz große Probleme“ sehen die Vertreter von Blue Estate beim Thema Brandschutz auf die Stadt zukommen. hel