Nachdem der Planungsausschuss vor zwei Wochen bereits rund vier Stunden diskutiert hatte, ging es am Mittwoch in der Regionalversammlung nochmals hoch her: Drei Stunden redeten sich die Regionalräte die Köpfe heiß, um das im September 2011 begonnene Verfahren abzuschließen, am Ende folgten sie dem Vorschlag der Verwaltung: 41 Vorranggebiete für Windkraft werden ausgewiesen, davon 15 im Kreis Göppingen, das macht mehr als die Hälfte der Fläche aller Gebiete in der Region Stuttgart aus.

Somit können auch am vor allem in Adelberg umstrittenen Standort „GP-01“ am Kaisersträßle Windräder errichtet werden, die Fläche ist im Gegensatz zu den ursprünglichen Plänen allerdings verkleinert worden. „Das ist ein Teilerfolg für Adelberg“, meint denn auch Bürgermeisterin Carmen Marquardt. Zumal auch auf dem zwischen Wangen und Oberberken liegenden Areal GP-03, dem ehemaligen Bundeswehrdepot, nur vier statt geplanter sechs Rotoren gebaut werden sollen. „Wir sehen das sehr wohl positiv und als Entgegenkommen“, sagt Marquardt.

Die Bürgermeisterin räumt aber auch ein: „Wir hatten gehofft, GP-01 fällt ganz weg.“ Mit 40 gegen 44 Stimmern habe es dann aber am Mittwoch ein „ganz knappes Votum“ für den Standort gegeben. Die ENBW zeigt sich an dem Gebiet bereits interessiert, hat auch schon die Windgeschwindigkeiten gemessen. „Das geht jetzt ins offizielle Verfahren, sobald der Bauantrag eingeht“, berichtet Marquardt, betont aber auch: „Ich hoffe noch, dass es nicht verwirklicht wird.“

Artenschutz und der Rotmilan seien Punkte, wo Adelberg nochmals anknüpfen wolle. „Wir werden die Horste dokumentieren“, kündigt sie an. Sie versteht nicht, dass der Abstand zum Gewerbegebiet nur 450 Meter betrage, obwohl dort 30 Menschen wohnen und 500 arbeiten. In der Regel würde ein Mindestabstand von 750 bis 1000 Metern zur Wohnbebauung eingehalten.

Kein Problem mit der Entscheidung der Regionalräte hat Bürgermeister Daniel Frey aus dem benachbarten Wangen. „Ich war in Stuttgart dabei und habe es mir vor Ort angeschaut“, erzählt er. „Wir bleiben dabei, dass wir bei GP-03 – reduziert auf vier Anlagen – mitgehen können.“ Wangen bleibe auch bei der Forderung, die Bürger finanziell ins Boot zu holen, „in Form einer Genossenschaft“.

In dieser Angelegenheit gebe es bereits Gespräche mit der örtlichen Raiffeisenbank. Mitte oder Ende November solle dann die Öffentlichkeit bei einer gemeinsam mit den Investoren – vier Stadtwerke, darunter die EVF – organisierten Veranstaltung informiert werden.

Nicht nur im Schurwald, auch auf der Alb und im Voralbgebiet hat die Region nun Vorranggebiete ausgewiesen. Südöstlich von Aichelberg an der Autobahn liegt das Gebiet GP-16, Horn-Unterdübel. Jeder im Gemeinderat sei damit zufrieden, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Evelyne Moll. „Wir haben einstimmig für diesen Standort gestimmt.“

Ähnlich die Stimmung in Hattenhofen. Ganz in der Nähe liegt das Vorranggebiet GP-12, Bunzenberg. Bürgermeister Jochen Reutter sagt: „Die Fläche ist vom Gemeinderat positiv bewertet worden.“ Entscheidend werde aber die Frage der Wirtschaftlichkeit sein, zudem liege die Fläche in einem FFH-Schutzgebiet („Natura 2000“).

Acht der 15 Flächen im Landkreis Göppingen bieten Konfliktpotenzial mit FFH-Gebieten, darauf weist der Regionalverband hin. Für weitere Konflikte sorgen Wetterradar, Flugsicherung sowie bestehende Landschaftsschutzgebiete. Bevor Investoren ernsthaft an einen Bau von Windrädern denken können, müssen die Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Dies ist nur an vier Standorten kein Problem: Adelberg und Wangen, Lauterstein und Böhmenkirch.