Göppingen Windhose im Filstal

An dieser Stelle des Stadtgartens stand bis zu Silvester 1961 der Kamin. Eine Windbö der Stärke 13 ließ nichts mehr davon übrig. Foto: Archiv
An dieser Stelle des Stadtgartens stand bis zu Silvester 1961 der Kamin. Eine Windbö der Stärke 13 ließ nichts mehr davon übrig. Foto: Archiv
Göppingen / ELKE BERGER 07.01.2012
Mit "Blitz und Donner" ist nicht die Silvesterknallerei gemeint, sondern ein in dieser Form recht seltenes Wintergewitter, das am 31. Dezember 1961 gegen 17 Uhr durchs Filstal zog und Schäden hinterließ.

134 Kilometer pro Stunde war die Spitzengeschwindigkeit der Windbö, die in Stötten gemessen wurde. Das entspricht Windstärke 13. Die NWZ berichtete in der Ausgabe vom 2. Januar 1962 von diesem Wintersturm. In Göppingen, insbesondere in den nördlichen Stadtteilen, richtete der Wind einen Schaden von etwa 4000 D-Mark an, wie die NWZ berichtete. Es wurden Fenster eingedrückt und Dachziegel heruntergeschleudert, an der Nördlichen Ringstraße wurde ein Lichtmast abgeknickt und im Stadtgarten brach ein sechs Meter hoher Kamin zusammen. An der Hallenbad-Baustelle wurden dort gelagerte Korkplatten für eine Dachisolierung durch die Luft und auf die Straßenkreuzung gewirbelt.

Kurz vor 17 Uhr begann aus Westsüdwest eine dunkle Wolkenwand das Filstal heraufzuziehen. Ihre Geschwindigkeit war nicht sonderlich hoch. Genau über dem Raum Göppingen und Uhingen entlud sich dann aber das Gewitter. Grelle Blitze zuckten durch die Dunkelheit und kurze Zeit später grollte auch schon der Donner. Im gleichen Augenblick fegte mit heftigen Regenschauern eine Windhose über das Filstal.

Ursache des Gewitters und der Windhose war eine Kaltfront, die die über Württemberg lagernde warme Luft verdrängte. So kam es sowohl in der NWZ-Wetterwarte in Göppingen als auch in Stötten fast schlagartig zu einem Temperatursturz um knapp fünf Grad. Damit fiel auch der Luftdruck um 400 Pascal, woraus die Windhose entstand.

Tatsächlich dauerte der heftige Regenguss nur etwa eine viertel Stunde, dann klarte der Himmel wieder auf und hinterließ dort, wo zuvor die schwarze Wand war, eine Färbung von eigenartiger Schönheit.

Aufgrund der Witterung verschwanden im Tal und größtenteils auch auf der Albhochfläche die letzten Schneereste und ließen Wintersportler sowie Amateur-Feuerwerker verzweifeln. Die Silvesternacht wurde deshalb allgemein als vergleichsweise ruhig empfunden.