Kreis Göppingen Wildschweine im Visier

Wildschweine wie dieses Jungtier sind nicht wählerisch beim Essen. Sie finden immer leichter Nahrung, weil die Winter in den vergangenen Jahren mild waren. Durch das pralle Angebot steigt der Bestand. Foto: dpa
Wildschweine wie dieses Jungtier sind nicht wählerisch beim Essen. Sie finden immer leichter Nahrung, weil die Winter in den vergangenen Jahren mild waren. Durch das pralle Angebot steigt der Bestand. Foto: dpa
Kreis Göppingen / JAKOB KOTH 27.02.2012
Eine wachsende Zahl von Wildschweinen richtet große Schäden im Kreis an. Leidtragende sind häufig Landwirte. Sie fordern einen Ausgleich von den Jägern, doch die wollen nicht für alle Zerstörungen bezahlen.

Die milden Winter der vergangenen Jahren haben nicht nur für den Menschen Veränderungen zur Folge. Das Schwarzwild im Kreis vermehrt sich stärker, weil es mehr Nahrung im Wald und auf den Wiesen findet. Für dieses Jahr gibt es zwar noch keine Abschusszahlen, doch im Jahr davor waren sie außergewöhnlich hoch: "800 Stück waren es letztes Jahr", berichtet Kreisjägermeister Dr. Kurt Mürdter. Er gibt schon eine vorsichtige Prognose für 2012 ab: "In diesem Winter liegt sehr wenig Schnee, was die Jagd stark beeinträchtigt - die Population wird demzufolge sehr groß sein." Auch das Alter der trächtigen Bachen, wie die weiblichen Tiere genannt werden, scheint heutzutage niedriger zu sein, als vor einigen Jahren noch: "Manche der Sauen sind schon in der Lage mit nur 25 Kilogramm Körpergewicht Nachwuchs auf die Welt zu bringen", sagt der Jäger.

Seit dem 31. Januar ist die Schonzeit vorbei. Konkret bedeutet das, dass ab jetzt erwachsene Tiere geschossen werden dürfen - davon ausgenommen sind Bachen, die ihre Jungtiere aufziehen. Neben Wiesen und Fluren richten die Schweine besonders auf Feldern Verwüstungen an. Ist der Schaden erst einmal entdeckt, herrscht oft Uneinigkeit darüber, wer dafür aufkommen soll.

Das Problem führt schon seit langem zu Kontroversen bei Landwirten und Jägern. Inzwischen suchen die Parteien gemeinsam eine Lösung. Wildbiologe Guido Dalüge von der Wildforschungsstelle Aulendorf, hält deshalb regelmäßig Vorträge zur Wildsauen-Abwehr, bei denen sowohl Landwirte als auch Jäger anwesend sind. Auch der Kreisgeschäftsführer des Bauernverbands Göppingen, Hermann Delle wohnte einem davon bei: " Es war wirklich sehr informativ, zudem kam eine anregende Diskussion zwischen Landwirten und Jägern zustande."Dieses Jahr gab es für die Wildschweine im Wald genügend Nahrung wie Bucheckern und Eicheln, deshalb war der Wildschaden nicht all zu groß", erklärt er. Bedenklich wird es Delle zufolge erst, wenn die Sauen aufgrund von Nahrungsmangel im Wald, auf die Felder und Grünflächen ausweichen.

Um die Schäden durch Wildschweine einzugrenzen, muss auch präventiv Aufwand betrieben werden. Eine gängige Praxis ist es, die durch Schwarzwild bedrohten Maisfelder mit Elektrozäunen zu umsäumen. Doch das scheint die haarigen Allesfresser nicht wirklich von deren Plündereien abzuhalten: "Meistens sind die Stromschläge zu schwach oder die Sauen überspringen ihn einfach", weiß Delle. Auch das Nachstellen der Tiere im Wald erweise sich als problematisch: "Junge, nachwachsende Bäume schränken die Untendurchsicht von den Hochsitzen aus stark ein."

Das Verhältnis zwischen Landwirten und Jägern betrachtet Kreisjägermeister Mürdter kritischer. "Früher war das Schwarzwild noch kein Thema und Wildschäden wurden pauschal von Jägern übernommen. Heute wird in Jagdpachtverträgen festgehalten, wer den Schaden zahlen muss. Wird hierbei nicht ausdrücklich der Jäger als Verantwortlicher erwähnt, muss die Jagdgenossenschaft selbst dafür aufkommen", betont er. Jäger erklärten sich deshalb immer seltener dazu bereit, Jagdgebiete zu pachten. Im Kreis ist die Lage aber entspannter. Die Jagdgenossenschaften kämen für Wildschäden mit auf, wenn diese eine gewissen Höhe übersteigen. Fünf Gutachter stellen im Kreis Göppingen fest, welche Schäden Wildschweine jedes Jahr anrichten.