Stadtentwicklung „Erhaltenswerte“ Gebäude werden abgerissen

Lange Straße 38: Das laut Wohnbau „stadtbildprägende Gebäude des historischen Stadtkerns“ ist Geschichte.
Lange Straße 38: Das laut Wohnbau „stadtbildprägende Gebäude des historischen Stadtkerns“ ist Geschichte. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Dirk Hülser 18.08.2018

In der Göppinger guten Stube – der Lange Straße – bewegt sich einiges.“ Das stellt die kommunale Wohnbau Göppingen (WGG) auf ihrer Homepage fest. Wer durch das beschauliche Sträßlein parallel zur Hauptstraße schlendert, wird das auch bestätigen. Nur: angekündigt waren eigentlich andere Arbeiten. Das jetzt abgerissene Gebäude mit der Hausnummer 38 (an der Kreuzung Marstallstraße, wo sich auch Teehaus, Buchladen und Stixenhof befinden) sollte eigentlich saniert werden. So wie auch Haus Nummer 32 („Pfeffermühle“), doch auch dieses Gebäude wird bald abgerissen.

„Das Wohn- und Geschäftshaus soll als ein stadtbildprägendes Gebäude des historischen Stadtkerns unserer Stadt modernisiert/saniert werden. Der Gestaltungsbeirat unterstützt ausdrücklich die Maßnahmen zum Erhalt des Gebäudes und seinen Umbau“, heißt es unter „Aktuelles“ auf der WGG-Homepage. gemeint ist Haus Nummer 38 – das nun dem Erdboden gleich gemacht wurde. „Das Gebäude war von der Statik und Konstruktion her nicht haltbar gewesen“, meint Wohnbau-Geschäftsführer Volker Kurz. „Es hat weg müssen.“

Der WGG-Chef verspricht aber: „Das Haus wird in enger Abstimmung mit dem Gestaltungsbeirat wieder aufgebaut.“ Zwar sei eine Sanierung geplant gewesen, „aber manchmal geht’s eben nicht, das müssen wir dann akzeptieren“. Ins Erdgeschoss des Neubaus soll wieder ein kleiner Laden ziehen, darüber sind sechs Wohnungen geplant, die vermietet werden. „Im Erdgeschoss wird es auch eine Fahrradgarage geben, um das Innenstadtwohnen zu fördern“, sagt Kurz.

Autofreie Haushalte

Das Ziel seien „autofreie Haushalte“. In den engen Innenstadtverhältnissen müsse begonnen werden, umzudenken, unterstreicht der Geschäftsführer. „Das versuchen wir jetzt mit dem Projekt.“ Ähnlich sei der Ansatz im Haus Nummer 35 auf der anderen Straßenseite gewesen, wo im Erdgeschoss der Stixenhof aus Ottenbach seine Speisen anbietet. „Jetzt wollen wir es noch ein bisschen besser machen“, sagt Kurz über den anvisierten Neubau.

Auch einen Block weiter wird bald etwas geschehen. Haus Nummer 32 wird auf der WGG-Homepage noch in höchsten Tönen gelobt, weil es „sowohl stadträumlich als auch architektonisch als besonders gelungenes Beispiel für eine Eckausbildung Lange Straße / Kellereistraße gesehen werden kann“. Weiter heißt es: „Charakteristisch kann im Erdgeschoss der Ladeneingang mit seiner handwerklichen Natursteinfassung als ein besonders erhaltenswertes, stadtbildprägendes Element gesehen werden.“

Die Wohnbau versichert im Internet, sie wolle „die Grundmauern des bestehenden Gebäudes behutsam aber auch sorgfältig modernisieren und in den oberen Ebenen mit Stadtwohnungen aufwarten, die in Größe und Stil zu dem Charakter der kleinen Gassen, Plätze und Straßen passen“.  Kurz meint dazu bedauernd: „Es ist mehr als eine Befürchtung, dass auch das nicht zu halten ist.“ Die Wohn- und Verkehrssicherheit sei vom Vorbesitzer „dermaßen vernachlässigt“ worden, dass das Baurechtsamt die Räumung des Gebäudes veranlasst habe. „Das sieht man den Häusern von außen sehr häufig nicht an“, sagt der Wohnbau-Chef.

„Es wird ins Stadtbild passen“

Er verspricht aber für die Nummer 38: „Es wird in 1:1-Abbildung wieder aufgebaut, lediglich die Höhe der Stockwerke wird zeitgemäß angepasst. Es wird ins Stadtbild passen.“ Dasselbe Konzept sei für die 32 vorgesehen. Kurz ist überzeugt: „Ich denke, das ist für unseren alten Stadtkern das Richtige.“

Dass nun im Internet ganz andere Wahrheiten verkündet wurden als jene Fakten, die der Bagger schon geschaffen hat, wundert Kurz: „Das hätte längst raus müssen, das werde ich auch veranlassen.“ Er hielt Wort: Wenige Stunden später war der Text zur Langen Straße auf der WGG-Homepage nicht mehr zu finden.

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