Bundestagswahl In Seminar erklärt, wie Deutschland funktioniert

Politik mit allen Facetten, besonders im Hinblick auf die  bevorstehende Bundestagswahl, beleuchtete ein Seminar für über 20 von der Lebenshilfe betreute Teilnehmer.
Politik mit allen Facetten, besonders im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl, beleuchtete ein Seminar für über 20 von der Lebenshilfe betreute Teilnehmer. © Foto: Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / Peter Buyer 08.09.2017
Mit einem Seminar hat die Lebenshilfe Teilnehmern Politik und Demokratie nähergebracht. Mit dabei: Die Kandidaten des Wahlkreises Göppingen.

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl biegen Parteien und Kandidaten auf die Zielgerade ein. Kaum einer kommt an Plakaten, Fernsehdiskussionen und Parteiständen in den Fußgängerzonen der Republik vorbei. Höchste Zeit, einmal die Frage zu stellen: Deutschland und Demokratie, wie funktioniert das überhaupt?

Im Bildungszentrum der Lebenshilfe Göppingen in Jebenhausen haben Elke Scholz-Helmle und Marietta Stephan genau das getan. „Mit dem Seminar zur Wahl wollen wir das Interesse an Deutschland, Politik und natürlich der Wahl wecken“, sagt die Erwachsenenbildnerin ­Scholz-
Helmle. Zwei Tage ging es für über 20 von der Lebenshilfe betreute Teilnehmer um Politik in allen Facetten. Alles in einfacher Sprache, damit die Zuhörer etwas mitnehmen.

Diktatur und Monarchie wurden mit der Demokratie verglichen, dann ging es um die Wahl am 24. September und wie gewählt wird. Und um Personen: „Frau Merkel kennen die meisten Teilnehmer, den Herrn Schulz eher nicht“, sagt Scholz-Helmle. Also alles ganz normal. Noch unbekannter sind oft die Abgeordneten im Bundestag.

Um das zu ändern, kamen die Direktkandidaten des Wahlkreises Göppingen ins Bildungszentrum der Lebenshilfe und stellten sich und ihr Wahlprogramm kurz vor. Danach wollten es die Teilnehmer des Seminars von Heike Baehrens (SPD), Dietrich Burchard (Grüne), Konstantinos Katevas (Linke), Volker Münz (AFD), Hans-Peter Semmler (FDP) und Rainer Staib (CDU) als Vertreter von CDU-Direktkandidat Hermann Färber genau wissen und löcherten die Kandidaten mit den Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen.

Behindertengerechter Verkehr

Heike Baehrens will „Busse fit machen und Bahnhöfe besser ausstatten“. Sie gibt zu, dass das viel zu lange dauert und noch viel zu tun ist. Volker Münz will das vorhandene Geld richtig einsetzen, „bevor wir damit die ganze Welt retten“.

Behinderte und Arbeit

Rainer Staib will die Anreize für Unternehmen erhöhen, Behinderte einzustellen, Dietrich Burchard verhindern, dass Fördermittel gekürzt werden. Und Heike Baehrens hält nicht viel von der Schwerbehindertenabgabe, mit der sich Unternehmen davon „freikaufen können, Behinderte einzustellen“.

Inklusion

„Keine Trennung mehr“, will Dietrich Burchard. Rainer Staib hält es für wichtig, Wahlmöglichkeit zu erhalten, das möchten auch Semmler, Baehrens und Münz. Er will die Förderschulen erhalten.

Wahlrecht

Menschen mit einer „Betreuung für alle Angelegenheiten“ haben kein Wahlrecht. Das gilt auch für einige Teilnehmer des Wahl-Seminars in Jebenhausen. Jeder soll frei wählen dürfen, da sind sich alle Kandidaten einig. Konstantin Katevas will „keinen zurücklassen“. Volker Münz ergänzt: „Allerdings muss sicher sein, dass jeder Wähler seinen eigenen Willen auf dem Stimmzettel zum Ausdruck bringt.“ Und Rainer Staib sagt: „Umfassende Information, die jeder versteht, ist wichtig.“ Baehrens verweist auf das SPD-Parteiprogramm in leicht verständlicher Sprache. Die einzige Berufspolitikerin der Runde, Baehrens sitzt seit vier Jahren im Bundestag, kommt gut an in Jebenhausen. „Ich finde, dass Frau Baehrens Bundeskanzlerin werden sollte“, ruft eine Frau im Publikum, „dann würde sich einiges ändern“. Baehrens schaut kurz irritiert, dann lacht sie.

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