Staufer-Festspiele Wie ein Blick durchs Schlüsselloch

Göppingen / Ulrich Kernen 05.09.2018

Der Blick ging hinein ins musikalische Paradies der Staufer-Festspiele: 20 Minuten einer Probe von Mozarts Zauberflöte in der Göppinger Werfthalle. Zwei Dutzend Neugierige, die im Rahmen des „Sommer der Ver-Führungen“ im Stauferpark unterwegs waren, durften auf die Tribüne schleichen und wurden sofort Zeugen von wahrhaft Zauberhaftem! Eine federleicht singende Pamina (Jessica Eckhoff) und der rücksichtsvoll agierende Papageno (Johannes Mooser) erzählten gerade von ihren Liebeshoffnungen und -sorgen.

Jenseits der riesigen Bühne war das erfahrene Festspielorchester platziert. Die Musiker spielten in schlanker Streicherbesetzung, zurückhaltend begleitend, was den Akteuren auf der Bühne große Freiheiten eröffnete. Sabine Layer, die Dirigentin, ist eine im Raum Stuttgart verwurzelte Künstlerin, deren Verbindungen zur Musikhochschule den Festspielen zugute kamen. Bald tauchten – noch etwas schüchtern – die drei Knaben auf, um Papageno und Pamina auf ihrer Suche nach Prinz Tamino zu begleiten.

Man ahnte schon jetzt, dass es dem Regisseur Alexander Warmbrunn nicht auf Pomp und vordergründige Effekte ankam, sondern auf die Darstellung menschlicher Gefühle. Prinz Tamino gab danach mit kraftvoller Stimme seiner Wut Ausdruck, dass der Herrscher Sarastro ihm den Zugang zu seinem Palast verwehrte, und in seiner Verwirrung griff er zu seiner Zauberflöte, die alsbald im Orchester das berühmte Solo intonierte, noch ziemlich verhalten, aber es  war ja auch noch nur eine Durchlaufprobe... Der vielköpfige, in wundervolle Kostüme (Michaela Kirn) gekleidete Festspielchor umringte als Hoftstaat den nun erschienenen Sarastro, den finnischen Bass Timo Riihonen, eine persönlich und musikalisch imposante Erscheinung.

Und wenn man dann den Blick hob, erlebte man ein weiteres Wunder: das Bühnenbild (Karel Spanhak), eine ständig wechselnde Bildprojektion, die den Saal in ein Märchenland verwandelte. Wenn man sich weiter umschaute, entdeckte man eine Tribüne mit 1500 Plätzen und wenn man dann erfuhr, dass die Halle am ersten August noch total leer war, dann kam man aus dem Staunen nicht heraus.

Zum großen Bedauern konnten die Zuhörer den Auftritt der Königin der Nacht (Galina Benevich) und der  Papagena (Schirin Hudajbergenova) nicht erleben. Wenn man aber das Blitzen in den Augen derer richtig deutete, die von ihnen schwärmten, dann kann das Fazit allerdings nur lauten: Nix wie hin. Karten gibt’s noch.

Info Mehr zum Ausflugsprogramm „Sommer der Ver-Führungen“ unter: www.swp.de/verfuehrt

Termine für die Zauberflöte in der Werfthalle

Aufführungstermine für die „ Zauberflöte“ sind am 7., 8., 9., 13., 14. und 15. September. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Eine Zusatzaufführung für die NWZ findet am 11. September ab 19.30 Uhr statt.

Tickets gibt es in Göppingen beim i-Punkt im Rathaus, bei der NWZ und bei Gebauer in der Dieselstraße, außerdem in Geislingen bei der Geislinger Zeitung und im Internet unter www.staufer-festspiele.de. Karten gibt es für 55, 45 und 33 Euro.

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