Museum Wie aus Stämmen Bretter wurden

Göppingen / Susann Schönfelder 12.10.2018

Wie wurden vor rund 80 Jahren aus Baumstämmen mühevoll Bretter von Hand oder mit der Gattersäge hergestellt? Wie sah die anstrengende Arbeit der Lohnsäger für Brennholz aus, die früher mit ihren selbstfahrenden Bandsägen von Haus zu Haus zogen? Und wie funktionierten die ersten Zwei-Mann-Sägen? Um diese Themen drehen sich die historischen Holzsägetage, die am kommenden Wochenende im Auto- und Traktormuseum in Uhldingen-Mühlhofen am Bodensee, im kleinen Ort Gebhardsweiler, stattfinden werden. Mehr als 60 Aussteller werden rund 100 verschiedene Motorsägen präsentieren, sagt Dr. Gerhard Schumacher, Geschäftsführer des Museums. Die historische Show zur Holzbearbeitung sei ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender. Der Museumsmacher ist überzeugt: „Es wird ein beeindruckendes Erlebnis für jedermann.“ Er rechnet mit 1000 bis 2000 Besuchern an diesem Wochenende, der Eintritt ist frei.

Schon als Kind Traktor gefahren

Wenn Gerhard Schumacher erzählt, ist die Begeisterung zu spüren. Der 66-Jährige war 26 Jahre lang Geschäftsführer des Göppinger Unternehmens Kleemann, das Brech- und Siebanlagen herstellt. Vor vier Jahren zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück und unterstützt heute noch bei der Unternehmensentwicklung und der Öffentlichkeitsarbeit. Da bleibt mehr Zeit für sein großes Hobby: das Traktor- und Automuseum. Er wuchs auf dem Bauernhof auf, seine Großeltern hatten eine Landwirtschaft. „Da bin ich natürlich als Kind auch Traktor gefahren“, erinnert sich der gebürtige Stuttgarter, der heute in Ostfildern lebt. „Als ich dann ein bisschen älter wurde, kam das Interesse für Autos hinzu.“ Jahrelang habe dann der Job im Vordergrund gestanden, „und jetzt erinnert man sich an den Blödsinn von früher“, meint Schumacher scherzhaft. „Die Spielzeuge sind halt bissle größer.“

Seine Spielwiese ist heute das Traktor- und Automuseum am Bodensee, das er komplett alleine aufgebaut hat. Um neue Exponate kümmert er sich persönlich, den laufenden Betrieb, Veranstaltungen und die Gastronomie stellt ein Stab von 70 Mitarbeitern auf die Beine. „Wir haben 10 000 Quadratmeter, das ist schon was“, macht er die Dimension dieser Erlebniswelt mit 350 Automobilen, Motorrädern und Traktoren deutlich. Die Fahrzeuge seien integriert in eine Sammlung zahlloser Exponate des Alltags, die die Entwicklung des Land- und Stadtlebens der vergangenen 100 Jahre nachzeichnen.

Das Museum entstand im Frühjahr 2013 auf dem Gelände eines fast verfallenen Bauernhofs in einem kleinen Weiler zwischen Überlingen und Friedrichshafen – umgeben von Viehweiden, Feldern und Obstplantagen. „Das hat mir schon immer gut gefallen“, sagt Schumacher. Natürlich kamen auch wirtschaftliche Überlegungen dazu, ein solches Museum am Bodensee zu etablieren: „Die Touristen sind ohnehin da und brauchen ein Schlechtwetterprogramm.“ 100 000 Besucher kämen jedes Jahr, um für einige Stunden in längst vergangene Zeiten einzutauchen.

Die Holzsägetage am kommenden Wochenende werden die Gäste ebenfalls in alte Zeiten entführen. „Bei den Holzsägen gibt es ja eine Verknüpfung zum Traktor, wir greifen also das landwirtschaftliche Thema auf“, begründet Gerhard Schumacher die Entscheidung, eine solche Sonderveranstaltung auf die Beine zu stellen. Unter anderem sei der bekannte Säger Josef Linder aus Bihlerdorf mit seiner Vollgatter-Säge, ein Eigenbau aus dem Ende der 1920er Jahre, und Konrad Kamm aus der Schweiz mit verschiedenen Schweizer Motor- und Elektro-Kettensägen mit von der Partie. Auch eine fahrbare Säge der Esslinger Firma Pflüger und Steinert wird präsentiert.

Insgesamt können sich die Gäste mehr als 100 motorbetriebene Geräte anschauen. Der Besucher wird in die Zeit vor den computergesteuerten Sägewerken mit vollautomatischem Ablauf zurückversetzt, in eine Zeit, als die Menschen noch mit Brennholz heizten.

Traktoren aus aller Herren Länder

Holzsägetage Die historischen Holzsägetage finden am kommenden Wochenende, 13. und 14. Oktober, im Innenhof des Auto- und Traktormuseums in Uhldingen-Mühlhofen am Bodensee statt. Die Show ist am Samstag von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag von 10 bis 16 Uhr zu sehen. Die Ausstellungsfläche beträgt 5000 Quadratmeter. Der Eintritt ist kostenlos, für Kinder ist ein abwechslungsreiches Programm geplant.

Museum Das Museum zeigt 350 Automobile, Motorräder und Traktoren. Ausgestellt sind 200 Traktoren aus Europa, Kanada, den USA und Australien. Neu hinzugekommen ist im Frühjahr 2017 die Sammlung von Fritz B. Busch aus Wolfegg mit 100 Oldtimern und 50 Motorrädern.

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