Der Aufbau am Samstag ließ den Aufwand und die Mühe der 31 teilnehmenden Teams bei der Deutschen Grillmeisterschaft schon erahnen. Doch die fertig dekorierten Stände mit den gedeckten Tischen für Juroren und Gäste übertrafen am Sonntag alle Erwartungen. Einige Grillgruppen haben sich passend zu ihrem Gruppennamen kreative Kostüme und Mottos ausgedacht.

Da staunten die Besucher nicht schlecht, als plötzlich zwei Weihnachtsmänner mit Sonnenbrillen flinken Schrittes ihre Gaben zu den Juroren ins Wertungszelt trugen. Am Stand von "Fauststadt-BBQ" sind die Wikinger los und um das Gehege der "Wild Hogs" mit Gatter und eigener Moderation ließ sich umringt von einem der zahlreichen Fernsehteams Andreas Huberti zum Probeessen nieder. Der Präsident des Veranstalters, German Barbecue Association (GBA), braucht am Wettkampftag einen starken Magen, um die vielen Kostproben der Wettkämpfer zu verdauen. 

Gleich am Eingang vom Wettkampfgelände im Göppinger Stauferpark zieht "Barbie-Q Hartenholm" aus Schleswig Holstein alle Blicke der Besucher und Fernsehteams auf sich: Die Gerichte werden in rosafarbenen Minikugelgrills präsentiert. Sogar eine männliche Barbie löst eine verlorene Wette ein und serviert der Jury den Bratwurstgang  im rosafarbenen Tutu-Kostüm mit Perücke. Passend zum Motto "Vier Jahreszeiten" ist der Tisch neben Barbiepuppen mit Kürbissen, Weihnachtsmännern und Sommerblumen dekoriert. Passend zum Herbst und somit Halloween haben die Bratwürste die Form von Händen und werden mit Fingernägeln aus Mandeln und roter "Blutsoße" aufgetischt. Die beiden Juroren staunen, machen Bilder von allem und lassen sich die Kreation schmecken.

Besucher lassen sich Kostproben schmecken

"Wahnsinn - war das eben gut", schwärmt Besucher Georg Werkmeister aus Donzdorf und wischt sich den Mund sauber. Mit sichtbarem Genuss hat er ein paar Spareribs probiert - davor noch Würstchen und Flammkuchen. "Die Meisterschaft gefällt uns sehr gut, es ist alles so schön hergerichtet und die Leute an den Ständen sind sehr nett und hilfsbereit, wenn man Fragen hat", lobt Werkmeister. Nur ein großes Problem gibt es: überall auf dem Gelände fehlen Mülleimer. Einigen Besuchern und Grillgruppen macht auch die Schräglage etwas zu schaffen: weil das Gelände am Hang liegt und mehrere Ebenen hat, steht eigentlich alles schief: die Zelte, Tische und Grills. Selbst die Griller stehen meist etwas krumm da. Das gibt unfreiwillig komische Effekte auf den Bildern und Videos der vielen Presseteams. 

Am Nachmittag spielt dann das Wetter nicht mehr mit. Nachdem es zunächst nur bewölkt war, schüttet es gegen 15 Uhr unaufhörlich. Gegen 16 Uhr ist der Großteil der Besucher geflüchtet. Nur einige Hartgesottene ziehen mit Schirmen und Regenjacken weiter. Da alle Grillteams Pavillons und Zelte aufgestellt haben, fällt zumindest der Wettkampf selbst nicht ins Wasser. Familie Wahl aus Schorndorf sitzt gemütlich am Tisch der "BBQ Gaumenfreu(n)de" und lässt sich mit geräuchertem Heringsfilet und Möhrenspiralen verwöhnen. "Wir haben von der GBA Gastgarten bekommen, die werden auf dem Gelände verteilt", berichtet Carsten Wahl. Nach der Stärkung wollen sich die Hobbygriller noch Tipps holen von den Profis. 

Anspannung bei den Wettkämpfern

Dän Klein von "South Side BBQ" hat schon einen guten Rat: "Beim Garen von Fisch wie etwa Lachs empfehle ich nur niedrige Kerntemperaturen von höchstens 55 Grad, sonst wird das Fleisch trocken". Dän stammt aus Börtlingen und freut sich, den Wettbewerb in seiner alten Heimat auszutragen. Das Team hat 2012 in der Amateurklasse gewonnen und ist dieses Jahr in der Kategorie der Profis am Start. Nachdem der Fischgang an die Jury verteilt ist, lässt sich Dän Klein den restlichen Lachs mit Sweet-Thai-Chilli und Sojasoße mit einer Beilage von Mango-Paprika angemacht mit Essig-Öl-Koreander und einer Zitronen-Creme-Fraiche schmecken. Die Reste landen bei einem solchen Wettbewerb nicht im Müll, sondern in den Mägen der Zuschauer und Gäste. Doch auch bei South Side ist die Anspannung zwischendurch spürbar: "Die Stimmung ist gut, aber man hat doch Angst, dass etwas schiefgeht - irgendwie geht es dann aber doch gut", sagt Teamchef Stefan Müller, der den Dessertgang noch vor sich hat.

Auch bei den "Voralb-Grillern" mit Hotelier und Gastwirt Dieter Fausel aus Jebenhausen war die Aufregung um 11 Uhr groß: Pünktlich stand der Juror am Stand bereit und im Zelt wurde es hektisch. Das erste Mal auf so einer Meisterschaft war für alle eine ganz neue Erfahrung. Während der Teamchef die Grills im Auge behielt für den ersten Gang, füllte Sohn Bernd Fausel bereits die Maultaschen und gefüllten Tomaten auf die Juryteller. Die Zeit raste, das Team hatte wie alle anderen nur zehn Minuten Zeit zum Anrichten und Abliefern am Wertungszelt. "Oh nein einige Bratwurststücke sind innen noch roh", rief Teammitglied Samantha Richter aufgeregt und stürmte zum Grill zurück. Am Ende kamen aber alle Portionen warmgehalten in den weißen Styroporboxen wohlbehalten beim Juror an. 

Auch bei Profi und Grillexperte Chris Reich-Tebart aus Gosbach und seinen "BBQ-Gitanos" war die Anspannung am Tag spürbar. Der Zander mit Senf und Nussmischung musste in kleinen Stücken vom Tisch auf den Grill umziehen. "Mist, der Grill ist zu heiß", schimpft Reich-Tebart und legt die anderen Stücke an eine etwas kühlere Stelle der Grillplatte. 

Überall an den Ständen überraschten die Teams mit besonderen Gerichten: Das "Grill Atelier" erhob Grillen zur Kunstform und servierte seine Kreationen auf Schiefertafeln mit kulinarischen Sprüchen. Derweil brutzelten einige Hähnchen auf Bierdosen auf dem Grill. Dass Grillen zusammenschweißt, bewiesen die Mitglieder von "BBQ Alliance": Für den Wettbewerb schlossen sich die drei Teams "BBQ Outsiders", "Meat `n`eat" und "Men Meat Fire" aus Ostwetsfalen zusammen und brachte gemeinsam Köstliches auf de Rost. Ihr Favorit ist Hähnchenbrust mit selbstgemachtem Pesto, die mit Parmaschinken und Parmesan ummantelt gegerillt wird. Auch die Zucchinitaschen mit Schafskäse klingen nicht nur köstlich.