Zu "Viele Fragen zu Rotoren" vom 13. Mai: Wer versorgt die Haushalte bei einer Flaute?

SWP 24.05.2016

Der Bericht greift zum wiederholten Male die oft unbedacht ausgesprochene Formulierung auf, eine Windkraftanlage könne "4000 bis 5000 Haushalte mit Strom versorgen". Bei diesem Vergleich werden jedoch nur Jahresstrommengen im Verhältnis zueinander betrachtet, die korrekte Darstellung lautete: "Der Jahresertrag der Windkraftanlagen entspricht dem jährlichen Verbrauch von 4000 bis 5000 Haushalten" (die Zahlen bezieht sich auf die beiden bei Adelberg geplanten Anlagen zusammen).

Worin liegt nun der Unterschied? Da wohl die wenigsten Haushalte über die Möglichkeit verfügen, ihren Strombedarf für mehrere Wochen zwischenspeichern zu können, muss der benötigte Strom immer im Moment des Verbrauchs erzeugt werden. Bei den auf dem Schurwald durch die ENBW ermittelten Windverhältnissen liegen die Windgeschwindigkeiten über das Jahr verteilt zu 21 Prozent unterhalb der Einschaltschwelle des Generators, zu weiteren 38 Prozent sind die Windstärken zu schwach, um die durchschnittliche Leistungsaufnahme der 4000 bis 5000 Haushalte abdecken zu können. Selbst die am Standort angeblich gemessene mittlere Windgeschwindigkeit von 6 m/s reicht nicht aus, um die genannte Anzahl an Haushalten vollständig mit Strom zu versorgen. Dies bedeutet, dass diese Haushalte in Summe über sieben von zwölf Monaten gar keinen oder nicht genug Strom haben. Zehn Tage Flaute am Stück ist in Baden-Württemberg keine Seltenheit. Wer versorgt die fraglichen Haushalte dann mit Strom?

Im Übrigen sollte nicht vergessen werden, dass der Haushaltsstromverbrauch nur 20 bis 25 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland beträgt. Des weiteren wird in dem Bericht die Aussage der ENBW-Mitarbeiter zitiert, "ab 150 bis 300 Meter Entfernung" liege der von einer Windkraftanlage erzeugte Infraschallpegel "unter der Wahrnehmungsschwelle des Menschen". Aus der einschlägigen Forschung ist jedoch bekannt, dass die gesundheitsschädliche Wirkung des Infraschalls bereits bei Pegeln unterhalb der Wahrnehmungsschwelle einsetzen kann. Die bewusste Wahrnehmung dieser unhörbaren Druckwellen, zum Beispiel als Vibration, ist hierfür nicht relevant. Es gibt einige wissenschaftlich plausible Wege unabhängig von der Wahrnehmung, wie sich Infraschall auf den menschlichen Organismus auswirken kann. Das Risiko hängt hierbei nicht vom absoluten Schalldruckpegel ab, sondern vom Verhältnis der schmalbandigen Infraschallsignale zum Grundrauschen.

Michael Paul, Börtlingen

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel