Vortrag Wenn Kopfschmerzen zum „Ferrari im Kopf“ werden

Großes Interesse beim Arzt-Patienten-Forum in der Göppinger Stadthalle zum Thema Kopfschmerzen.
Großes Interesse beim Arzt-Patienten-Forum in der Göppinger Stadthalle zum Thema Kopfschmerzen. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 22.06.2018

In Deutschland hätten 54 Millionen Menschen Kopfschmerzen, davon 4 Millionen täglich, sagte Dr. Frank Genske von der Kreisärzteschaft in der Anmoderation beim letzten Arzt-Patienten-Forum in der Göppinger Stadthalle. Für das Thema habe man zwei ausgewiesene Experten aus Göppingen geholt, so Organisatorin Karin Hebel-Walther von der VHS. Dr. Helmut Staudenmayer, der seit 20 Jahren eine schmerztherapeutische Praxis leitet, und Professor Dr. Norbert Sommer, Chefarzt der Neurologie am Göppinger Christophsbad, referierten zum Kopfschmerz und beantworteten Fragen der Zuhörer. Sommer plädierte für einen rationalen Umgang: „Erlaubt ist, was hilft. Man muss es ausprobieren.“ Oft sei die Ursache wie etwa bei einer Grippe banal, aber bei Kopfschmerz als Symptom müsse man genau hinschauen. Um das herauszufinden, werde in der Klinik eine Kernspintomographie und bei Bedarf eine Nervenwasseruntersuchung gemacht. Sind die Schmerzen schlagartig, ungewohnt oder treten sie zum ersten Mal auf – diese Fragen seien ebenso wichtig wie alarmierende Begleitsymptome wie Nackensteifigkeit, Fieber, Lähmungen oder Verwirrtheit. Sommer beschrieb die möglichen Ursachen wie Gehirnblutungen um das Gehirn herum, die sofort vom Neurochirurgen operiert werden müssten. Eine bakterielle Hirnhautentzündung, eine Gehirnblutung selber, Thrombosen im Gehirn, Gefäßentzündungen oder andere internistische Erkrankungen können weitere Ursachen sein. Am Beispiel mehrerer Patienten erläuterte Sommer im Gespräch mit Zuhörern Aufnahmen vom Kernspin mit verschiedenen Krankheitsbildern. In das Thema eingeführt hatte Staudenmayer mit einer dramatischen Beschreibung von Menschen, die „mit einem Ferrari im Kopf“ Migräneanfälle erleiden. 10 Millionen Menschen und bis zu 40 Prozent der Schulkinder seien betroffen. Staudenmayer beklagte in diesem Zusammenhang einen „Analphabetismus in Deutschland“. Unter den 250 primären und sekundären Kopfschmerzarten nähmen Migräne und Spannungskopfschmerz 92 Prozent ein. Die verschiedenen Stadien von Migräne mit und ohne Aura und heutige Therapiemöglichkeiten mit Medikamenten und Entspannungsverfahren wurden beleuchtet. Für die sogenannte „Migräne-Persönlichkeit“ gebe es die Aussicht auf eine Impfung, die in den USA schon zugelassen sei. In Deutschland erwarte man die Zulassung für nächstes Jahr mit Kosten von 900 Euro pro Monat.

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