Eigentlich war es mehr eine Randbemerkung, die die zahlreichen Zuhörer bei der „Uni der Generationen“ an der Hochschule in Göppingen aufhorchen ließ: „Wir warten seit einem Jahr auf Rückmeldung des Landratsamts, dass das System auch bei uns eingeführt werden kann“, berichtete Dr. Martin Messelken, langjähriger Notfallmediziner, der Alb-Fils-Kliniken.

Das „System“ ist eine Art Smartphone-App, bei der sich geschulte Ersthelfer registrieren können und bei einem Notruf parallel zum Notarzt benachrichtigt werden können. Diese Ersthelfer, deren Standort per GPS erkannt wird, befinden sich in unmittelbarer Umgebung und können schneller eingreifen, als der Notarztwagen vor Ort ist. Das zeigen jene Landkreise – vor allem in Norddeutschland – in denen das System bereits eingesetzt wird.

Doch das ist nur eines der Projekte, das die hohe Qualität der Notfallversorgung im Landkreis weiter verbessern soll – so wie es viele Ideen bereits in den vergangenen Jahren getan haben. „Big Data im Gesundheitswesen“ war das eigentliche Thema der Vorlesung und zeigte, wie wichtig es ist, dass Patientendaten entlang der Rettungskette schnell und korrekt übermittelt werden. „Wir haben schon früh ein Protokoll entwickelt, in dem der Notarzt den Gesundheitszustand festhalten und so den nachfolgend behandelnden Ärzten Infos mitgeben kann“, berichtete Messelken.

Das Papierformular war einmal

Ein Papierformular zum Ankreuzen mit diversen Angaben zum Gesundheitszustand des Patienten war es einst. Damals, in den 1980er Jahren, als im Landkreis die ersten Notarztwagen unterwegs waren. Heute umfasst diese Dokumentation für den Notarzteinsatz rund 130 Datenfelder und wird digital verarbeitet, damit der Notarzt möglichst wenig Aufwand mit dem „Papierkram“ hat. Überhaupt sei „Big Data“ in diesem Bereich nicht neu, sondern helfe immer besser, Patientendaten verfügbar zu halten – für alle Mediziner, die an der Behandlung beteiligt sind.

Der einst in Göppingen initiierte Fragenkatalog ist mittlerweile bundesweit Standard. Das habe vor allem etwas mit dem Qualitätsmanagement im Notarztdienst zu tun, berichtete Martin Messelken. Durch die umfangreiche Dokumentation könne man Abläufe nachvollziehen und konnte diese so mit der Zeit immer wieder verbessern. „Nur wenn man genaue Erfahrungsdaten hat, kann man besser werden“, ist sein Credo, mit dem er und seine Kollegen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder neue Impulse setzen konnten.

Wiederum Pionierarbeit leisten die Alb-Fils-Kliniken beim Aufbau des Deutschen Reanimationsregisters, von dem Chefarzt Professor Matthias Fischer, Notfallmediziner an der Klinik am Eichert, berichtete. Es sei kein Zufall, dass die bundesweiten Treffen der Mediziner und Wissenschaftler „Bad Boller Reanimationsgespräche“ heißen und in der Voralbgemeinde regelmäßig stattfinden. Das Reanimationsregister sei wichtig, um auch in diesem Bereich Verbesserungen in den Behandlungen und der Rettungskette nachzuweisen und wiederum zu analysieren. Professor Fischer verdeutlichte an verschiedenen Studien, wie dieses Wissen im Sinne der Patienten eingesetzt werde.