Stuttgart / Geislingen Wem wird die WMF gehören?

Wer hat künftig bei der WMF in Geislingen das Sagen? Bei der Hauptversammlung gestern wurde offensichtlich, dass ein Taktieren und Tauziehen begonnen hat.
Wer hat künftig bei der WMF in Geislingen das Sagen? Bei der Hauptversammlung gestern wurde offensichtlich, dass ein Taktieren und Tauziehen begonnen hat.
RODERICH SCHMAUZ 16.06.2012
Wer wird künftig bei der WMF das Sagen haben? Großaktionär Capvis will seine Anteile verkaufen. Die Fiba, die schon 37 Prozent der Stammaktien hält, meldete jetzt nachdrücklich Ansprüche an.

Die 129. ordentliche Hauptversammlung der Geislinger WMF AG, die jetzt in der Stuttgarter Liederhalle stattfand und sich fünfeinhalb Stunden hinzog, stand im Zeichen des bevorstehenden Besitzerwechsels. Nur elf Prozent der WMF-Stammaktien befinden sich in Streubesitz, in Händen von Kleinaktionären. Zwei große Aktienpakete halten seit 2006 die österreichische Unternehmensgruppe Fiba mit 37 Prozent und der Schweizer Finanzinvestor Capvis mit 52 Prozent, Letzterer in einem 2014 auslaufenden geschlossenen Fonds. Wie berichtet hat Capvis, das in der Person von Daniel Flaig im WMF-Aufsichtsrat vertreten ist, mitgeteilt, sich wie geplant in absehbarer Zeit von ihrem rentierlichen WMF-Investment wieder trennen zu wollen. "Seit dem Einstieg hat sich Capvis als zuverlässiger Partner erwiesen und die positive Geschäftsentwicklung der wmf group in der jüngeren Vergangenheit konstruktiv begleitet", attestierte ihr WMF-Vorstandschef Thorsten Klapproth in seinem Rechenschaftsbericht vor den versammelten Aktionären. Die Entscheidung, "ob, wann und auf welche Weise das Aktienpaket veräußert wird", liege aber allein bei Capvis. Denkbar ist der Verkauf an einen oder mehrere Großaktionäre, auch das Platzieren des Aktienpakets an der Börse.

Und außerdem ist die Fiba, schon 2006 ein Konkurrent von Capvis, an der Übernahme dieser 52 Prozent Stammaktien interessiert. "Wir haben keine Verkaufsabsichten. Im Gegenteil", sagte der Münchner Anwalt Franz Enderle als Fiba-Bevollmächtigter in der Hauptversammlung. Er war mit Andreas Weissenbacher, einem Geschäftsführer der Fiba-Gruppe, bei der Aktionärsversammlung zugegen.

Enderle richtete kritische Fragen an Klapproth, Flaig und Aufsichtsratschef Professor Dr. Stefan Feuerstein und Daniel Flaig. Alle Fragen zielten auf mögliche unzulässige Interessensverflechtungen und -kollisionen zwischen Management und Kontrollgremium.

Ein Beispiel: Im Vorjahr hatte die Aktionärsversammlung per Beschluss den Vorstand ermächtigt, WMF-Aktien zurückzukaufen, für maximal 30 Millionen Euro, limitiert bis 30. September 2012. Dieser Rahmen wurde bisher nur in Höhe von 1,4 Millionen Euro ausgeschöpft. Laut Klapproth kaufte die WMF 18 505 Stammaktien (von insgesamt 9,333 Millionen) und 26 028 stimmrechtslose Vorzugsaktien (von 4,666 Millionen). Man tue das ausschließlich, um diese Aktien später einzuziehen oder damit Akquisitionen zu bezahlen, sagte Klapproth.

Stimmt nicht, argumentieren die Fiba-Vertreter. An der Börse würden Stammaktien nur in geringer Stückzahl frei gehandelt, die WMF habe aber (im Vergleich zu den Vorzugsaktien) viele erworben - und damit den Aktienkurs um 24 Prozent in die Höhe getrieben. Durch diesen gezielten Pusch könne Capvis nun sein Stammaktienpaket noch gewinnbringender versilbern.

Eine Sichtweise, die Klapproth von sich weist: Die WMF habe ihre Bank ausdrücklich angewiesen, Aktien so dosiert zurückzukaufen, dass die Kurse dadurch eben nicht in die Höhe getrieben würden. Und von steigenden Kursen profitierten ja alle Aktionäre.

"Welche eigenen Interessen verfolgt der Vorstand mit dem Capvis-Aktienverkauf?", hakte Enderle nach. Keine seiner Fragen sah er zu seiner Zufriedenheit beantwortet und gab das so zu Protokoll. Er kreidet es dem WMF-Vorstand außerdem an, dass er sich an einer Capvis-Gesellschaft in den Niederlanden finanziell beteiligt hat. Bei der Entlastung durch die Hauptversammlung ernteten Vorstand und Aufsichtsrat der WMF am Ende fast 40 Prozent Nein-Stimmen - entsprechend der Anteile, welche die Fiba hält.