GLOSSE: Welches Schweinderl?

Joa Schmid 28.01.2017

Die Älteren unter uns  werden sich erinnern. „Was bin ich?“ fragte Robert Lembke immer mal wieder gerne und ließ uns teilhaben am „heiteren Beruferaten“. Das war eine uralte Quizshow, an die wir uns seltsamerweise ausgerechnet jetzt erinnern. Vielleicht deswegen, weil wir gerade in Donald Trump einen Mann erleben, bei dem sich das Rateteam mit Sicherheit die Zähne ausbeißen würde. Mal ehrlich: Keine Sau käme auch nur im entferntesten auf die Idee, dass der tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Dann schon eher Maurer, wenn Sie uns den kleinen Kalauer auf Kosten von Mexiko erlauben mögen. Von daher ist es wirklich schade, dass das ursprünglich aus den USA stammende Fernsehformat von den Bildschirmen verschwunden ist. „Schweinderl“ gehabt, lieber Donald, möchte man da fast sagen.

Andererseits ist der Präsident damit längst noch nicht aus dem Schneider, wie wir Skatspieler zu sagen pflegen. Immerhin gibt es eine ebenfalls in den USA kreierte Quizsendung mit dem Titel, den alle mit Trump verhandelnden Regierungschefs im Hinterkopf haben: „Sag die Wahrheit“, was allenthalben ein frommer Wunsch bleiben dürfte. Dies schon deswegen, weil Trump es lieber mit alternativen Wahrheiten hält, die schon mal dafür sorgen, dass sich die Besucherzahl seiner Amtseinsetzung vertausendfacht. „To Tell the Truth“, so der amerikanische Titel der Sendung, dürfte mit diesem Präsidenten ein Ding der Unmöglichkeit sein. Wir versuchen es trotzdem: Drei Kandidaten behaupten in der ersten Spielrunde Donald Trump zu sein. Das Rateteam hat 45 Sekunden Zeit, herauszufinden, wer der richtige Donald Trump ist. Sollte einer der drei mitten in der Sendung damit beginnen, eine Mauer rund um das Studio zu bauen, die die Zuschauer bezahlen sollen, dann könnte das ein erster Hinweis darauf sein, dass es sich um den echten US-Präsidenten handelt.

Ein weiteres untrügliches Erkennungsmerkmal könnte möglicherweise sein, dass einer der Befragten steif und fest behauptet, die Erde sei eine Scheibe und die Sonne samt allen anderen Sternen und Planeten kreisten um die Vereinigten Staaten von Amerika im Allgemeinen und ums Weiße Haus im Besonderen. Wenn er dann noch darauf besteht, er würde damit lediglich Fakten neu interpretieren, dann darf das Rateteam fast sicher sein, dass es sich um den richtigen US-Präsidenten Donald Trump handelt. Sollte der Mann dann noch der Moderatorin mit dem eindeutig zweideutigen Ausruf „My America is great again“ nachstellen, dürfte es keines weiteren Beweises mehr bedürfen. Es kann nur dieser sein. Was uns ganz schnell wieder an Robert Lembke denken lässt. Der hätte dieses „Schweinderl“ ganz sicher nicht gern.

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