Zahllose Besucher kennen ihn von eindrucksvollen Schlossbesichtigungen in Weißenstein. Denn Manfred Kage und seine Familie teilten ihre Leidenschaft gern mit vielen Besuchern. Jetzt ist der Pionier der Mikrofotografie im Alter von 83 Jahren gestorben.

Tür zu einer geheimnisvollen Welt

„Dass die Dinge nicht so sind, wie sie erscheinen, war für mich damals eine Erleuchtung. Es war, als hätte sich die Tür zu einer geheimnisvollen Welt geöffnet – zu einem Universum, das man studieren und Stufe um Stufe erkunden und Einsichten gewinnen kann.“ So beschrieb Manfred Kage einmal den Augenblick, als er mit acht Jahren zum ersten Mal in ein Mikroskop schaute. Die Faszination für die Schönheit des Kleinen hat den Mann, der später weltweit ein Pionier der Mikrofotografie wurde, zeitlebens nicht losgelassen.

Seine Begeisterung teilte der Herr von Schloss Weißenstein mit zahllosen Besuchern, die in dem Schloss ein- und ausgehen und über kunstvolle Fotografien von winzigsten Organismen, botanischen und zoologischen Details oder von Kristallstrukturen staunen.

Manfred Kage wurde 1935 in Delitzsch bei Leipzig geboren. Nach seiner Ausbildung zum Chemotechniker stieß er bei bei chemischen und optischen Arbeiten auf den ästhetischen Reiz kristalliner Strukturen. Seinem ersten Schwarz-Weiß-Bild von Zinnkristallen unterm Mikroskop folgten ungezählte weitere.

Mit Eigenkonstruktion Farben sichtbar gemacht

„Neugier und Erfindergeist“ seien das Lebenselixier ihres Vaters gewesen, sagt seine Tochter Ninja-Nadine Kage. 1957 entwickelte er einen sogenannten Polychromator, ein Spezialfilter, der für die bestechende Schärfe und schillernden Farben vieler Bilder sorgte. Pionierarbeit leistete Kage, als es ihm mit einer Eigenkonstruktion als einem der ersten gelang, Bilder von Elektronenmikroskopen mit Farben zu versehen.

„Die Grenzen des Denkbaren zu sprengen“, ob im wissenschaftlichen oder künstlerischen Bereich, sei die Berufung ihres Vaters gewesen, so Ninja-Nadine Kage. Lange bevor die Fotografie zur Kunstform erhoben wurde, erkannte Manfred Kage das künstlerische Potenzial der kristallinen Strukturen unter dem Raster-Elektronen-Mikroskop.

Auch als Künstler erfolgreich

Bereits 1958 wurden Kages fotografische Arbeiten im Kunstkontext als „Fotografie informell“ ausgestellt. Gemeinsam mit der künstlerischen Avantgarde schuf er in den 60er Jahren den Begriff „Science-Art“.

Kages Bilder wurden weltweit in Galerien ausgestellt, er fotografierte für große Blätter und ist als Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Kunst mit Preisen, unter anderem mit dem Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie, ausgezeichnet worden. Bereits in den 70er Jahren hat er sich auch der Multimedia- und Videokunst zugewandt. Sein Institut für Mikrofotografie hat sich weit über den Landkreis hinaus einen Namen gemacht.

Allroundgenie und Grenzgänger

Ninja-Nadine Kage beschreibt ihren Vater als „Allroundgenie und Grenzgänger“, den ein „unheimlicher Kampfgeist“ auszeichnete. Sechs Monate lang hat Manfred Kage gegen seine Krankheit gekämpft. Er wurde 83 Jahre alt. Seinem Wunsch und dem seiner Ehefrau Christina entsprechend werde er im engsten Familienkreis in Norddeutschland beigesetzt. Im kommenden Jahr will die Familie bei einer Feier Wegbegleitern die Möglichkeit geben, sich zu verabschieden.