Göppingen Weihnachtsmenü mit satirischen Röstaromen

„Nach der letzten Aufführung hat eine Frau zu mir gesagt: So viel gelacht wie bei Ihnen hab‘ ich seit dem Tod meines Mannes nicht mehr“:  Josef Brustmann begeisterte bei Odeon im Alten E-Werk.
„Nach der letzten Aufführung hat eine Frau zu mir gesagt: So viel gelacht wie bei Ihnen hab‘ ich seit dem Tod meines Mannes nicht mehr“: Josef Brustmann begeisterte bei Odeon im Alten E-Werk. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Kurt Lang 10.12.2018
Der aus Oberbayern kommende Josef Brustmann begeisterte bei Odeon im Göppinger Alten E-Werk mit seinem neuen Programm „Gans weihnachtlich“.

Gleich zu Beginn überrascht Josef Brustmann mit der Feststellung: „Wenn der Astronaut vom Weltall hinab auf die Erde schaut, sieht er zunächst nur die Chinesische Mauer und die Ruine am Hohenstaufen.“ Und da der Oberbayer aus Wolfratshausen hier bei uns in der Region noch nicht ganz so bekannt ist, macht er gleich noch ein wenig Eigenwerbung: „Nach der letzten Aufführung hat eine Frau zu mir gesagt: So viel gelacht wie bei Ihnen hab‘ ich seit dem Tod meines Mannes nicht mehr.“ Der Grabstein ihres lieben Gatten soll übrigens die Inschrift „Ruhe in Frieden bis wir uns wiedersehen“ tragen.

Da die Stimmung unterm E-Werk-Publikum prächtig ist, kalauert der Josef Brustmann noch ein wenig weiter, etwa über den Nachbarsohn, der den Vater, der partout nicht ins Altersheim will, mit den Worten tröstet: „Geh‘ halt hin, ist ja nicht für immer“, fragt sich, ob ein nur mit Frauen besetztes Raumschiff denn nun ein unbemanntes wäre, derweil eine Rosine zur anderen sagt „Warum hast du einen Helm auf?“ Sie: „Muss morgen in den Stollen“.

Und da das Kabarett die Satire voll auf ihrer Seite hat, verrät Brustmann ein lange gehütetes Geheimnis: „Der Söder ist gar kein Franke, ist ein Rumäne, ein Zigeuner. Gell, da staunt ihr.“ Kurz darauf stellt er allerdings klar: „Stimmt nicht. Aber schön wär’s schon g’wesen.“

Charmant plaudert der 64-Jährige über seine Kindheit. Arm war man zu der Zeit. Die Tante musste die Weihnachtsplätzchen sogar mit dem Gebiss ausstechen. „I bin der Josef, und do bin i dahoam“, ruft er und singt zur Gitarre „Trump ist Präsident, Leonard Cohen ist hinüber, doch umkehrt wär’s mir lieber“. Als ein Junge vom Land weiß er natürlich, dass die Milch von Kühen, Ziegen und Schafen kommt. Völlig verblüfft habe ihn daher jüngst eine Tüte im Supermarkt mit der Aufschrift „Frische Bergbauernmilch“.

Virtuose an der Zither

Im weiteren Verlauf des Abends beglückt der Träger des Deutschen Kabarettpreises die Zuhörer mit bisweilen nachdenklich-hintersinnigen Liedern und Geschichten zur Weihnachtszeit und erweist sich nebenbei als ein großartiger Virtuose an der Zither – dann etwa, wenn er bei einem Beatles- oder AC/DC-Hit ein wahres Zupf-Feuerwerk zu entfachen versteht. Zusammen mit dem Publikum wird ein Weihnachtslied gesungen, freilich in einer leicht veränderten Textfassung: „Im Ofen burns the Weihnachtsgans and the angels singing sacht: Stille Nacht“. Josef Brustmann – ein spitzbübischer Spötter und humorvoller Meister des Vortrags, der mit seinen im bayerischen Dialekt gehaltenen Liedern den ein oder anderen Zeitgenossen auf ironische Art genüsslich bloßzustellen vermag.

Am Schluss gab’s vom Odeon-Publikum denn auch stürmischen Applaus für ein herzhaftes, nach satirischen Röstaromen duftendes Weihnachtsmenü.

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