Göppingen Wandern als Kunstprinzip

INGE CZEMMEL 02.06.2015
Gleich drei ungewöhnliche Ausstellungen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, gingen am Sonntag in der Göppinger Kunsthalle zu Ende. Die Finissage bot nochmals Gelegenheit zu einer Führung.

"Daniel Beerstecher hat seine Leidenschaft, das Wandern, zum Prinzip seiner Kunst gemacht", erklärte Kunsthallendirektor Werner Meyer den rund 50 Besuchern, die bei der Finissage an der Führung durch die drei Ausstellungen teilnahmen.

Dass die gleiche Welt aus verschiedenen Perspektiven gesehen werden kann, zeigte Beerstecher anhand dreier Weltkarten, die in verschiedenen Erdteilen gefertigt wurden. "Stets ist der entsprechende Kontinent der Mittelpunkt - der Nabel der Welt", verdeutlichte Meyer.

Zwei Welten in einer präsentierten sich bei einer anderen Arbeit. Während ein Video die Idylle des brasilianischen Nationalparks zeigte, lief auf der Audiospur die Reportage des WM-Spiels Deutschland - Brasilien 2014, die nach und nach in Naturgeräusche mündete. Auf Großleinwand war Beerstechers ökologische Windkraftreise über die Straßen Patagoniens zu sehen. Wie eine Fata Morgana tauchte in der Ferne ein Schiff auf Rädern auf und wurde beim Näherkommen von Lastwagen und Autos überholt. "Ein starkes Bild", so Meyer. Doch der Künstler hatte noch mehr zu bieten. Auf knapp zwei Quadratmetern war zu sehen, worauf Beerstecher am Ende seines Kunststudiums seinen Besitz reduzierte, um auf die Walz zu gehen. Mit dem Ziel von anderen Künstlern zu lernen und im Kontext seinen Platz zu finden.

Das Projekt "Wie ich meinem Vogel die Welt erkläre" zeigte, wie Beerstecher mit einem Vogelkäfig-Rucksack samt Vogel 90 Kilometer durch Sao Paolo bis ans Meer wanderte. Der Weg führte durch Geschäftswelten, Reichenviertel, Favelas, ländliche Gebiete, Industrie, Urwald, Indianergebiet und somit durch alle Schichten der Gesellschaft. Das Besondere des Filmes, bei dem die Kamera nicht der Szene nachläuft sondern Beerstecher durchs Bild: Er ist Sinnbild für Vieles und lässt subjektive Assoziationen und Interpretationen zu. Unermüdlich demonstriert der Videokünstler mit seinen Wanderungen die "Eroberung des Nutzlosen".

Ganz anders ist die Dingwelt von Kilian Stauss in ihrer klaren Schlichtheit. Er präsentierte "Kunst, die sich nützlich macht" zeigte die Berührungspunkte zwischen Kunst und Design auf und überwand den Graben zwischen frei und angewandt. "Wird die Bürste von ihrer Funktionalität getrennt, entdeckt man ihre skulpturale Form", verdeutlichte Werner Meyer und zeigte auch an anderen Gegenständen, dass die Grenzen zwischen Kunst und Design fließend sind. Die dritte Ausstellung im Bunde war "Das Pamphlet" von Louis M. Eilshemius.