Göppingen Wandelbarer Wohnraum - nicht nur für Flüchtlinge

Gut besucht war das neue Holzgebäude in Uhingen bei der Informationsveranstaltung. Besonders die Qualität des Wohnraums überzeugte die Anwesenden sichtlich.
Gut besucht war das neue Holzgebäude in Uhingen bei der Informationsveranstaltung. Besonders die Qualität des Wohnraums überzeugte die Anwesenden sichtlich. © Foto: Giacinto Carlucci
KRISTINA BETZ 22.04.2016
So gut wie bezugsbereit ist ein Holzgebäude in Uhingen. Gedacht ist es für die Flüchtlingsunterbringung, aber auch als sozialer Wohnraum. Bei einer Infoveranstaltung wurde das Konzept hoch gelobt.

Man habe noch im Herbst letzten Jahres mit rund 235 unterzubringenden Flüchtlingen in Uhingen gerechnet, berichtet Bürgermeister Matthias Wittlinger. "Jetzt haben wir aber etwas Luft und müssen in Anschlussunterbringung und sozialen Wohnbau umdenken", sagt Wittlinger. Man habe nach genau so einem Konzept, wie es die Firma Holzbau Göser aus Rechberghausen anbietet, gesucht.

Nach fünf Wochen Bauzeit steht das zweistöckige Gebäude in der Eisenbahnstraße in Uhingen nun und ist so gut wie bereit, belegt zu werden, wie Klaus Göser bei der gestrigen Informationsveranstaltung erzählt. Der Vorteil des Systems: Es ist leicht wieder demontierbar oder auch als sozialer Wohnraum denkbar. Joachim Hörrmann, Koordinator Holzwohnbau für Flüchtlinge der Firma proHolzBW, die sich um die Förderung der Holzverwendung in Baden-Württemberg kümmert, berichtete dazu von der aktuellen Lage bei der Flüchtlingsunterbringung: "Sozialer Wohnbau kommt im Gespann mit der Unterbringung von Flüchtlingen und rückt immer stärker in den Vordergrund."

Bei der Vereinbarkeit dieser beider Felder spielt die Qualität des Wohnraums eine große Rolle. Besonders lobten Interessenten und Verantwortliche bei der Informationsveranstaltung deshalb die Verarbeitung des Holzbaus. "Unsere Erfahrung zeigt: Je höher die Qualität des Wohnraums ist, desto mehr Frieden herrscht in der Unterkunft", wirft Matthias Wittlinger ein.

Auch die Akzeptanz von Anwohnern, die in der Nähe einer solchen Unterkunft leben, steige mit der Qualität des Wohnraums. "Weil es einfach wohnlicher ist", sagt Wittlinger. Dreifach verglaste große Fensterfronten, eine offene Bauweise sowie moderne Beleuchtung tragen dazu bei, dass sich die Interessenten bei der Besichtigung begeistert zeigen.

Besonders die Beleuchtungspaneele an der Decke halten eine Überraschung bereit: Denn die Beheizung wird über die flachen Leuchten gesteuert. "Wir haben versucht die Elemente bestmöglichst der Sonne nachzubauen", erklärt Thomas Hackl, Geschäftsführer der Datarius Licht-Schmiede, die das System entwickelt hat. Per App werden die Temperatur, Lichtfarbe und -stärke geregelt. Bei um die 1000 Euro läge man derzeit mit den Paneelen. "Wir entwickeln seit einem Jahr daran, sind jetzt also erst noch bei der Preisfindung", sagt Hackl dazu. Was die Belegung anginge, sei man jetzt gespannt, sagt Wittlinger. 57 Plätze bietet das Gebäude mit Zweier- und Dreierzimmern.

In der Unterkunft Nassachtal sind derzeit 50 Flüchtlinge untergebracht, im ehemaligen Vereinsheim der Naturfreunde 20 und eine Einheit für 110 Personen habe man auch noch in petto, sagt Wittlinger. Bauherr der Unterkunft ist die Kreisbau, sie vermietet das Gebäude jetzt an den Landkreis, der über die Belegung entscheidet.