Eingefädelt hatte den Besuch auf dem Waldeckhof die Göppinger SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens, nachdem die schwierige Finanzsituation der Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung gGmbH (SAB) in Göppingen Ende vergangenen Jahres zum öffentlichen Thema geworden war. Freitag nun war sie da: Anette Kramme, im Kabinett von Angela Merkel Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium. Bei ihrer Stippvisite in Jebenhausen machte sich Kramme, die auch dem SPD-Bundesvorstand angehört, ein Bild von den akuten Finanzierungsproblemen, die der SAB-Geschäftsführerin Karin Woyta in so mancher Nacht den Schlaf rauben. Schuld an der Misere sind die in der vergangenen Legislaturperiode gekürzten Mittel für die Förderung von Langzeitarbeitslosen, um die sich die SAB seit nunmehr 18 Jahren im Kreis kümmert. Von Jahr zu Jahr war die sechsstellige Finanzlücke bei der SAB größer geworden. Immer wieder mussten Karin Woyta und ihr Team ihre ganze Kreativität aufbieten, um zu verhindern, dass die SAB auf Grund läuft. Auch Spenden tragen dazu bei, dass die Projekte fortgesetzt werden können.

Die Staatssekretärin weiß um die Probleme, die es nicht nur in Göppingen gibt: Die Erhöhung der Bundesmittel für die Unterstützung von Langzeitarbeitslosen durch die derzeit regierende Große Koalition hätten das zuvor entstandene Minus allerdings nicht ausgleichen können, "die Arbeitsmarktpolitik ist sehr knapp finanziert", musste Kramme einräumen, wobei die SPD-Frau dafür bei ihrem Besuch auf dem Waldeckhof auch den Koalitionspartner CDU verantwortlich machte. Sie drückte es höflich aus, indem sie betonte, es gebe zwischen den Koalitionspartnern "nicht nur Konsens, was die Dauerhaftigkeit von Arbeitsmarktmaßnahmen angeht".

Konkrete finanzielle Zusagen waren von der Staatssekretärin keine zu hören, allerdings kündigte Kramme für den Sommer ein neues Programm an. "Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt" wird es heißen, die Förderrichtlinien würden derzeit erarbeitet. Wilfried Hüntelmann, Leiter der Göppinger Agentur für Arbeit, und Reinhard Matschi, Geschäftsführer des Jobcenters Landkreis Göppingen, waren wie Landrat Edgar Wolff ebenfalls auf den Waldeckhof gekommen, um mit der Vertreterin der Bundesregierung zu sprechen. Hüntelmann und Matschi betonten, in ihren Anstrengungen zur Unterstützung von Langzeitarbeitslosen und Einrichtungen wie der SAB nicht nachzulassen. In Kürze wolle man sich beim Europäischen Sozialfonds (ESF) bewerben, um weitere Fördermittel für den Landkreis zu erhalten. Matschi begrüßte, "dass das Thema Langzeitarbeitslosigkeit in den Fokus rückt", Landrat Wolff kündigte an, den "gemeinsamen Einsatz" für die SAB fortzusetzen.

Ein Runder Tisch im Kreis hatte bereits seine Arbeit aufgenommen, aber die Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens, die an den Treffen teilgenommen hatte, machte deutlich: "Wir haben gemerkt, dass beim Thema Langzeitarbeitslosigkeit die Bundespolitik wichtig ist." Auch Baehrens will weiter um eine verbesserte Finanzausstattung der SAB kämpfen, zumal bundesweit bereits mehrere Unternehmen ähnlicher Art hätten aufgeben müssen. Dass der einstündige Besuch der Staatssekretärin nicht "die große Lösung" bringen würde, das war Heike Baehrens vorher klar, aber das Gespräch sei sehr wichtig.

Und was brachte Karin Woyta der Besuch aus Berlin? "Ich freue mich, dass die Bundespolitik zu uns gekommen ist. Ich hatte nicht erwartet, dass Frau Kramme den Geldsack mitbringt, aber ich lebe von der Hoffnung", meinte die SAB-Geschäftsführerin, die auch Vertreter von Beschäftigungsträgereinrichtungen aus Esslingen und Heidenheim eingeladen hatte - denn wachsende Finanzierungsprobleme bei der Förderung von Langzeitarbeitslosen gibt es nicht nur im Kreis Göppingen.

Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung (SAB)

Ziele Die SAB Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung gGmbH Göppingen, zu der auch der Waldeckhof in Jebenhausen gehört, ist eine gemeinnützige GmbH, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, schwer vermittelbare Arbeitslose, Langzeitarbeitslose, jugendliche Arbeitslose und Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten in ein arbeitstherapeutisches Beschäftigungsverhältnis aufzunehmen und die Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu fördern. Die SAB betreibt derzeit elf verschiedene Projekte mit rund 200 Maßnahmen.

Struktur Gesellschafter der SAB sind "Der Paritätische Baden Württemberg", das Diakonische Werk des evangelischen Kirchenbezirks Göppingen und der Katholische Dekanatsverband Göppingen-Geislingen. Geschäftsführerin der SAB ist die Gartenbau-Ingenieurin Karin Woyta.