Staufer-Festspiele Kulisse: Der Märchenwald hängt im Schnürboden

Noch fürchten sich Hänsel und Gretel (Vanessa Maria Looß und Jessica Eckhoff) in der Naturkulisse des Waldes. Wenn die Produktion am 26. Dezember Premiere feiert, wird der Wald an Schnüren auf die Bühne der Göppinger Stadthalle heruntergelassen.
Noch fürchten sich Hänsel und Gretel (Vanessa Maria Looß und Jessica Eckhoff) in der Naturkulisse des Waldes. Wenn die Produktion am 26. Dezember Premiere feiert, wird der Wald an Schnüren auf die Bühne der Göppinger Stadthalle heruntergelassen. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 07.12.2017
Ganz in Eigen-Regie fertigen bei der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ die Macher der Staufer-Festspiele Göppingen das Bühnenbild.

Wenn Hänsel und Gretel von einem einfachen Haus bei Mama und Papa hinaus in den Wald ziehen, dann wird dieser vom Schnürboden auf die Bühne der Göppinger Stadthalle heruntergelassen. Für die Zuschauer unsichtbar, kann man von dort oben alles je nach Bedarf herunter und hinauf ziehen.

Dann werde es im Wald eine Überraschung für die Kinder unter den Zuschauern geben, verspricht Bühnenbildner Karel Spanhak. Mehr will er jedoch nicht verraten. Und im letzten Bild, dem Hexenhaus, kämen noch verschiedene Hilfsmittel mit Projektionen, Schleiern und Leuchtmitteln zum Einsatz. Die Besucher erwarte in der Inszenierung von Alexander Warmbrunn ein phantastisches, märchenhaftes Bühnenbild, bei dem auch augenzwinkernde Momente nicht zu kurz kämen, so Spanhak.

Bislang fanden die Aufführungen der Staufer-Festspiele in der Göppinger Werfthalle statt, und die Bühnenbilder wurden zu 80 Prozent im Ausland gebaut. Bei der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ hat man sich jedoch für die Stadthalle entschieden, wo man eine leere Bühne vorfindet.

„Wir haben es als eine spannende Aufgabe angesehen, das Bühnenbild in Eigenregie zu bauen“, betonen die Macher der Staufer-Festspiele. Beide Bühnen haben sowohl Vor- als auch Nachteile. Zu der wesentlich größeren Werfthallen-Bühne musste alles erst mal herangeschafft werden. In der Stadthalle dagegen hängt eben alles im sogenannten Schnürboden.

Damit die Aufführungen an Weihnachten gelingen, braucht es ein engagiertes Team aus Profis und ehrenamtlichen Helfern, die das Bühnenbild so gestalten, dass es dann auch fürs Stadttheater Lindau passt, deren Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn ist. Denn dort wird in derselben Besetzung die Oper ebenfalls gespielt. Ein Rädchen müsse ins andere laufen, sagt der technische Leiter Erich Kröner, der von Anfang an bei den Festspielen mit von der Partie war. Er habe „Blut geleckt“ und opfere dafür gerne vier Wochen Urlaub, denn im bürgerlichen Beruf ist er kaufmännischer Angestellter. 2002 sei er für den Inspizienten eingesprungen, sagt Kröner, der ab diesem Tag auch Requisiteur war. Man habe eine große Verantwortung, dass sich alles am richtigen Platz befinde und dass jeder zum richtigen Zeitpunkt von der richtigen Seite die Bühne betrete. Kröner hilft zudem beim Mitgestalten des Bühnenbildes und sägt, nagelt, schraubt, malt an und beklebt Rollen, aus denen dann beispielsweise Bäume werden.

Zimmermann Jochen Heinelt aus Süßen, ebenfalls ehrenamtlich seit zehn Jahren dabei, kann Passion und Beruf verbinden und hatte für die Werfthalle die riesigen Paletten-Böden gebaut. Nachdem Bühnenbildner Karel Spanhak die Entwürfe gemacht hat, ist Heinelt für die Stadthallen-Aufführung der Fachmann für das, was geht oder was nicht geht. „Die Umsetzung ist durch die Materialien begrenzt“, sagte er, „und durch die zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten.“ Statik, Brandschutz, Mobilität und Beschaffenheit des Materials, all das müsse ebenfalls berücksichtigt werden. Es brauche viele gemeinsame Besprechungen mit dem Bühnenbildner Spanhak, dem Regisseur Warmbrunn und dem ganzen Team, bevor es dann nach Vor­ort-Besichtigungen an die eigentliche Umsetzung gehe.

„Ich knapse mir die Zeit ab“, so Heinelt, weil es ihm einfach Freude mache, mit den verschiedenen Gruppen wie der Licht- und Tontechnik unter Chris Kittel zu kooperieren. Eine anspruchsvolle Aufgabe, schließlich erhielten die Proben mit allen Gruppen einen professionellen Plan und müssen innerhalb von vier Wochen erfolgreich abgeschlossen sein.

Alle drei Vorstellungen sind ausverkauft

Aufführungen Die Staufer-Festspiele 2017 führen in der Göppinger Stadthalle am 26., 27. und 29.. Dezember jeweils ab 18 Uhr die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck auf. Alle Vorstellungen sind inzwischen ausverkauft.

Mitwirkende Unter der Regie von Intendant Alexander Warmbrunn und unter der musikalischen Leitung von Sabine Layer spielen die Württembergischen Symphoniker. Die Hauptrollen singen Vanessa Maria Looß (Hänsel), Jessica Eckhoff (Gretel) und Fritz Th. Spengler (Hexe). Außerdem wirken der Kinder- und Jugendchor und ein Kinderballett der Festspiele mit.