Göppingen Wahl Bau-Bürgermeister: Zweikampf im Rathaus

Nach einem Zweikampf um den Bürgermeisterposten im Technischen Rathaus sieht es derzeit in Göppingen aus.
Nach einem Zweikampf um den Bürgermeisterposten im Technischen Rathaus sieht es derzeit in Göppingen aus. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Helge Thiele 14.03.2014
Wer wird neuer Baubürgermeister in Göppingen? Favorit Helmut Renftle bekommt Konkurrenz: Auch die Regierungsbaumeisterin Annegret Michler aus Landsberg machte bei der Vorstellung einen guten Eindruck.
Jetzt wird es doch noch spannend: Das Rennen um den Posten des Göppinger Baubürgermeisters scheint wieder offen zu sein. In den Fraktionen ist seit Donnerstag von einem „Zweikampf“ die Rede. Vier Kandidaten haben sich diese Woche hinter verschlossenen Türen im Gemeinderat vorgestellt: Amtsinhaber Olav Brinker (51), Helmut Renftle (62), der langjährige Leiter des städtischen Fachbereichs Tiefbau, Umwelt und Verkehr, Annegret Michler (37), eine Regierungsbaumeisterin aus Kaufbeuren, sowie eine 53-jährige Architektin aus Kassel. Während letztere bei den meisten Stadträten offenbar nicht so recht punkten konnte und Amtsinhaber Brinker mit einer engagierten „Brandrede“ für seine eher unwahrscheinliche Wiederwahl warb, hinterließen Helmut Renftle und Annegret Michler nach übereinstimmenden Berichten aus der nichtöffentlichen Sitzung einen guten Eindruck.

Von Renftle hatte man dies erwartet. Der Auftritt von Annegret Michler gilt als Überraschung. Die 37-Jährige habe einen „unglaublich kompetenten und überzeugenden“ Eindruck “ gemacht, meinte ein Stadtrat. Andere, die sich hinter vorgehaltener Hand äußerten, teilten diese Meinung. Michler hatte sogar einen Wahlprospekt („Ihre Baubürgermeisterin für Göppingen“) vorbereitet, den sie an die Stadträte verteilte. Bereits gestern machte der Flyer auch außerhalb des Rathauses die Runde. Micheler, die in München Architektur studiert hat und seit 2004 als Stadtbaumeisterin arbeitet, will „keine alleinige wirklichkeitsfremde Planung von oben, sondern eine möglichst starke Beteiligung der Bürger“. Solche Aussagen kommen nicht nur bei SPD, Freien Wählern (FWG) und Grünen gut an.

Allerdings kann auch Helmut Renftle auf jahrelange Erfahrung mit Bürgergesprächen und -versammlungen zu wichtigen Projekten zurückblicken. Er gilt in der Bevölkerung als „jederzeit ansprechbar“ und kennt die Stadt wie kaum ein anderer. Die CDU-Fraktion hatte schon vor Wochen öffentlich kund getan, dass sie Renftle unterstützt. Und auch in den anderen Fraktionen hat Brinkers Stellvertreter Fürsprecher. Es wird ohnehin nicht erwartet, dass bei der Wahl des Baubürgermeisters in der öffentlichen Sondersitzung des Gemeinderats am 3. April die Reihen in den Fraktionen fest geschlossen sind. Das erschwert eine Prognose, manche Stadträte sprechen seit dieser Woche von einer „50:50-Situation“.

Viel wird davon abhängen, wem die Stadträte am ehesten zutrauen, den gordischen Knoten in der Göppinger Verwaltungsspitze zu durchschlagen. Das Arbeitsverhältnis zwischen Oberbürgermeister Guido Till und dem amtierenden Baudezernenten Olav Brinker ist seit Jahren zerstört. Es gibt kaum noch Kommunikation, geschweige denn eine Zusamenarbeit, die den Namen verdienen würde. Wie sehr sich Till und Brinker mögen, wurde am Donnerstag erneut deutlich. Brinkers Bewerbungsrede, in der mit Kritik an Till nicht gespart wurde, soll der Rathauschef mit versteinerter Miene verfolgt haben.