Göppingen VVS-Integration: In der CDU bewegt sich was

Im Herbst soll der Kreistag endgültig über den VVS-Beitritt entscheiden.
Im Herbst soll der Kreistag endgültig über den VVS-Beitritt entscheiden. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Helge Thiele 06.04.2018
Die Debatte über eine Vollintegration des Landkreises in den VVS ist in vollem Gange. Auch in der CDU melden sich nun immer mehr Befürworter zu Wort.

Der Druck auf den Kreistag wächst: Im Herbst sollen die Kommunalpolitiker endgültig entscheiden, ob der Landkreis ein vollwertiges Mitglied des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) wird. Bis dahin muss verbindlich geklärt werden, ob und wie der Landkreis die Kosten des Beitritts finanzieren kann. Die Zahl der Befürworter einer Vollintegration steigt. Auch in der CDU, die in der Frage  des VVS-Beitritts bisher gespalten ist, werden die Rufe nach einer raschen Vollintegration immer lauter. Jüngstes Beispiel: das Plädoyer der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT). Im Detail herrsche zwar noch Informations- und Diskussionsbedarf, doch die in der MIT zusammengeschlossenen Unternehmer begrüßten den beabsichtigten Beitritt des Landkreises in den VVS, betonte der MIT-Kreisvorsitzende Eduard Freiheit nach einer Veranstaltung im „Andechser“ in Göppingen.

Der Göppinger CDU-Regionalrat habe bei dem MIT-Treffen „jede Menge Argumente“ angeführt, die für eine Vollintegration des Landkreises in den VVS sprächen, schreibt Freiheit in einer Pressemitteilung. Tielesch gestand den Kritikern zu, angesichts der hohen Kosten für den Landkreis – gerechnet wird mit drei bis fünf Millionen Euro pro Jahr – auch den Nutzen eines Beitritts zu hinterfragen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Mobilität, verstopfter Straßen rund um Stuttgart, Feinstaubalarm und Fachkräftemangel im Kreis führt nach Tieleschs Ansicht am VVS-Beitritt aber kein Weg vorbei. Die Kosten seien zwar ein dicker Brocken, aber man müsse die vielen Vorteile sehen, die der Beitritt für die Bürger bringe. Zudem seien die hohen finanziellen Hürden für einen Beitritt „vom Landrat gänzlich weg- oder spürbar herunterverhandelt“ worden, lobte Tielesch Edgar Wolff.

Dies wurde auch von den anwesenden Mittelständlern positiv bewertet, ebenso wie die Verbesserungen für die auf Bus und Bahn angewiesenen Bürger. Allerdings zeigten sich Unternehmer aus dem oberen Filstal auch skeptisch. Eine S-Bahn von Geislingen nach Stuttgart bringe nichts, argumentierten sie. Da dauere die Fahrt viel länger als jetzt im IRE. Deshalb, so Tielesch, rede man ja auch vom schnellen Metropolexpress und nicht von einer S-Bahn. Tielesch räumte bei der Veranstaltung ein, dass heute niemand wissen könne, ob sich der Landkreis in zehn, 15 Jahren die jährlichen Beiträge zum VVS leisten könne, doch müsse man auch den „Mut zu zukunftsweisenden Entscheidungen“ haben.

In der anschließenden Diskussion machten die Unternehmer deutlich, dass sie durch einen VVS-Beitritt Chancen sehen, Fachkräfte aus der Region in den Landkreis zu ziehen. Auch auf den Tourismus könne sich die Vollintegration in den Verkehrsverbund positiv auswirken.

Appell an den Landkreis

Letztlich müsse aber auch der Landkreis seine Hausaufgaben machen und gegebenenfalls andere Prioritäten setzen, um sich auch in  konjunkturell schwächeren Zeiten den Verkehrsverbund leisten zu können.  Ein Beispiel: Der Nachbarlandkreis Esslingen gebe rund sechs Prozent seines Haushalts für den öffentliche  Nahverkehr aus, der Landkreis Göppingen nur 0,5 Prozent – trotz einer vergleichsweise hohen Kreisumlage.

Auch der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till (CDU) hatte sich diese Woche erneut „ohne Wenn und Aber“ für den VVS-Beitritt ausgesprochen. Für Kopfschütteln sorgt bei Till das Zaudern der FDP in der Frage. „Das macht mir große Sorgen und das verstehe ich nicht“, sagte er am Rande einer Pressekonferenz im Rathaus. Schließlich vertrete die FDP auch viele Unternehmer und müsste sich der Forderung der IHK anschließen, die klar für einen VVS-Beitritt plädiert.