Nahverkehr VVS-Integration steht auf der Kippe

Am Bahnhof – hier in Eislingen – können Fahrgäste im Landkreis seit 2014 Tickets des Verkehrsverbunds Stuttgart lösen. Wenn der Kreistag für die Vollintegration stimmt, gelten die Fahrscheine auch in Bussen, Kunden bräuchten dann nur noch ein Ticket.
Am Bahnhof – hier in Eislingen – können Fahrgäste im Landkreis seit 2014 Tickets des Verkehrsverbunds Stuttgart lösen. Wenn der Kreistag für die Vollintegration stimmt, gelten die Fahrscheine auch in Bussen, Kunden bräuchten dann nur noch ein Ticket. © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 19.01.2018
Am Dienstag findet ein Hearing zur Vollintegration des Landkreises in den VVS statt. Eine Mehrheit ist nicht sicher.

Es war schon ein zentrales Thema bei den Haushaltsberatungen des Kreistags im Herbst, nun steht eine Entscheidung kurz bevor: die Vollintegration des Landkreises Göppingen in den Verkehrsverbund Stuttgart (VVS). Bereits im November hatte sich abgezeichnet, dass bei Weitem nicht alle Fraktionen geschlossen hinter Landrat Edgar Wolff stehen, der für ein einheitliches Tarifsystem im Landkreis und der Region Stuttgart wirbt. Am Dienstag gibt es nun ein öffentliches Hearing bei der IHK in Göppingen, bei dem auch ein Gutachten zu Kosten und Nutzen der Vollintegration vorgestellt wird.

Bereits am Donnerstagabend wurde dem Kreistag die Expertise vom Gutachter, Professor Tobias Bernecker von der Hochschule Heilbronn, vorgestellt. „Es wurde sehr munter diskutiert“, berichtet der Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur, Jörg-Michael Wienecke. „Es wurden auch viele Fragen gestellt.“

Doch einig sind sich die Kreisräte längst nicht: Eine Mehrheit für die Vollintegration ist nicht gesichert. Wann im Kreistag über das Thema abgestimmt wird, „hängt auch ein bisschen vom Hearing am Dienstag ab“, sagt Wienecke. Vermutlich wird der Punkt im Februar oder März auf der Tagesordnung landen.

Einen flammenden Appell für die Pläne hat laut Teilnehmern an der nichtöffentlichen Kreistagssitzung der Freie-Wähler-Kreisrat und frühere Bürgermeister von Rechberghausen, Reiner Ruf gehalten. Doch in seiner Fraktion steht er ziemlich alleine da. Ähnlich sieht es in der CDU aus, hier gilt unter anderem der Göppinger OB Guido Till als Befürworter. Da auch die vierköpfige FDP-Fraktion nicht geschlossen hinter der Vollintegration steht, muss Landrat Wolff noch um die Mehrheit kämpfen. SPD, Grüne und der Linken-Kreisrat Christian Stähle stehen hinter dem Projekt.

Das sorgt für eine ungewöhnliche Allianz: Unterstützung bekommen der parteilose Landrat und die rot-rot-grüne Minderheit durch die Göppinger IHK – die schon länger vehement die Vollintegration in den VVS fordert.

Vollintegration bedeutet ein Ticket fürs gesamte Netz

Teilintegriert Seit 2014 ist der Landkreis Göppingen in den Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) teilintegriert. Das bedeutet, die Tickets des Verbunds gelten nur auf der Schiene bis Geislingen. Für Busse der unterschiedlichen Unternehmen müssen zusätzliche Fahrscheine gekauft werden.

Vollintegriert Vollintegration heißt, dass für alle öffentlichen Verkehrsmittel ein einziges Ticket genügt. So kann in Lauterstein oder Gruibingen eine Fahrkarte bis Stuttgart oder Herrenberg gelöst werden. Es gelten dann auch VVS-Tagestickets, die zu Fahrten im ganzen Netz berechtigen.

Kosten Rund drei Millionen Euro pro Jahr würde den Landkreis die Vollintegration zu Beginn kosten. Landrat Edgar Wolff war es gelungen, für den Kreis Göppingen in langen Verhandlungen mit den Landräten der anderen Kreise in der Region und dem Stuttgarter OB Fritz Kuhn den Preis um eine Million Euro pro Jahr herunterzuhandeln.

Hearing Das öffentliche Hearing zur VVS-Vollintegration findet am Dienstag, 23. Januar, ab 18.30 Uhr, in den Räumen der IHK Göppingen, Jahnstraße 36, statt. Veranstalter ist der Landkreis.