Auftakt  Vorzügliches junges Ensemble

Auf dem Weg der Vervollkommnung: Das Goldmund Quartett bei seinem Konzert in Donzdorf. Foto: Staufenpress
Auf dem Weg der Vervollkommnung: Das Goldmund Quartett bei seinem Konzert in Donzdorf. Foto: Staufenpress © Foto: Staufenpress
Donzdorf / Ulrich Kernen 09.01.2017

Nach einer Titelfigur von Hermann Hesse, welche zeitlebens nach Vervollkommnung suchte, hat sich das Goldmund Quartett benannt, und man darf den Künstlern attestieren, dass sie auf dem Weg der Vervollkommnung schon weit vorangeschritten sind.

Mit Werken von Franz Schubert, Dmitri Schostakowitsch, Ana Sokolovic, Ludwig van Beethoven und Joseph Haydn stellten Florian Schötz und Pinchas Adt (Violine), Christoph Vandory (Viola) und Raphael Paratore (Violoncello) die bereits beachtliche Breite ihres Repertoires vor, das sie, wie ihre mitreißenden Vorträge zeigten, auch bestens beherrschten.

Mitzureißen versuchten sie ständig. Technisch höchst gekonnt und in fabelhafter Übereinstimmung sorgten sie für Farbe und Drive, scheuten auch nicht den kräftigen Zugriff und nutzten die Möglichkeiten dynamischen Differenzierens voll aus. So nahm mit Schuberts Quartettsatz D 703 in c-Moll, beginnend mit einer im Tremolo erregend kreisenden Figur, ein intensives Musizieren seinen Lauf, das spannende Einblicke in die jeweilige Werk-Immanenz ermöglichte.

Der Galopp aus der Rossini-Oper „Wilhelm Tell“ kennzeichnete weite Teile von Dmitri Schostakowitschs dialogisch beginnendem Streichquartett Nr.9 in Es-Dur. Mit innig glühendem Pianospiel, harten Pizzikato-Schlägen, einem Cello-Solo über flimmernden Geigen, Violinen in Bratschen-Lage oder Anklängen aus dem Jazz folgten die Spieler geradezu lustvoll der Intention des Komponisten, in den fünf ohne Pausen einander folgenden Sätzen mit vielen unerwarteten Momenten zu überraschen.

Von der 1968 geborenen Serbin Ana Sokolovic stellte das Quartett mit vielen Glissando-Maunzern drei Figuren aus „Commedia dell‘arte III“ vor, um sich dann mit Beethovens drittem der sogenannten Rasumowsky-Quartette op. 59 wieder der Wiener Klassik zuzuwenden. Rhythmischer Elan, schwermütiger Gesang und ein graziöses Menuett führten zum Finalsatz mit dem von der Bratsche eröffneten Fugato. Und als Zugabe gab‘s das Adagio aus Joseph Haydns op. 1 Nr.1.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass zum Dreikönigstag gewissermaßen vier Prinzen gekommen waren, denn die Protagonisten zeigten Anlagen, dank derer sie einmal zu den Königen des Streichquartettspiels zu rechnen sein dürften. UIrich Schlecht

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